Riddick – Chroniken eines Kriegers (USA 2004)

riddickchronicles„I should probaly slip these chains and open up a few arteries.” – Riddick

Wenn Machoriten und Faustrecht im Weltall zur obersten Prämisse deklariert werden, so kann dies nur die Rückkehr des zynischen Antihelden Richard B. Riddick auf die große Leinwand bedeuten. Und tatsächlich, vier Jahre nach seinem unfreiwillig vollzogenen Abstecher auf den „Planet der Finsternis” schlüpft Kraftpaket Vin Diesel („The Fast and the Furious”) neuerlich in die Paraderolle des wortkargen Killers mit den gläsernen Augäpfeln. Regie und Ausarbeitung des Drehbuchs gehen, wie schon beim Überraschungserfolg „Pitch Black”, auf B-Movie-Kultregisseur David Twohy („The Arrival”) zurück, dem bei der Realisierung von „Riddick – Chroniken eines Kriegers” ein stattliches Budget von 110 Millionen Dollar zur Verfügung stand. Entsprechend hoch schraubten sich die Erwartungen, entsprechend tief fielen die zum Teil vernichtenden Meinungsbilder aus. Doch ist der Streifen vorherrschender Negativkritik zum Trotze vor allem eines: prolliges Sci-Fi-Action-Potpourri mit Turbo-Diesel und stattlichem Unterhaltungswert. Wen die fortwährende Abstinenz von Logik da noch schert, sollte die Gesetzmäßigkeiten des Blockbusters offenkundig noch einmal überdenken.

Auf ihrem alles verzehrenden Kreuzzug durch die Galaxis hinterlässt das kriegerische Volk der Necromonger eine blutige Spur der Verwüstung. Von Planet zu Planet pilgernd, unterjocht die selbsternannte Herrenrasse unter der Führung des heiligen Halbtoten Lord Marshal (Colm Feore, „Paycheck”) jedes Lebewesen im Universum. Zwischen Leben und Tod steht lediglich die Konvertierung zum Glauben der Necromonger, Assimilierung zum Schutze der eigenen Haut. Einzig das vernichtete Volk der Furianer wäre in der Lage, Lord Marshal und seinen gehirngewaschenen Schergen Einhalt zu gebieten. Wie es Zufall, Schicksal und Drehbuch so wollen, liegt die Zukunft der freien Welten von Stund an in den grobschlächtigen Händen eines Mannes, des letzten noch ungebeugten Furianers: Riddick. So stolpert der geächtete Sträfling mit dem Wortschatz einer Tasse Buchstabensuppe in eine Verkettung halsbrecherischer Abenteuer und lehrt den finsteren Weltendestrukteur Lord Marshal nun seinerseits das Fürchten. Allerdings bleibt es dem kahlköpfigen Gesetzlosen nicht allein vorbehalten, dem grausamen Despoten wachsende Sorgenfalten in die Stirn zu meißeln, feilt doch auch der herrschsüchtige Offizier Vaako (Karl Urban, „Der Herr der Ringe”) nebst intriganter Gattin (Thandie Newton, „Mission: Impossible 2″) an der vorzeitigen Verabschiedung des Tyrannen aus Amt und Leben.

Abgesehen von seiner schillernden Hauptfigur hat das „Pitch Black”-Spin Off mit seinem launigen Vorgänger einzig die prägnanten Gastspiele der Überlebenden des Erstlings gemein. Der Gläubige Imam (Keith David, „Zum Töten freigegeben”), welcher das anfängliche Kopfgeld auf Riddick aussetzt, um selbigen nach seiner Ergreifung zum Kampf gegen die Necromonger zu bewegen, sowie sein weiblicher Sidekick Jack (hier gespielt von Alexa Davalos, „Pancho Villa”), die sich unter dem Namen Kyra zur toughen Heroine gemausert hat. Warum Imam und seine weise Kollaborateurin Aereon (Oscar-Preisträgerin Judi Dench, „Iris”) nicht einfach Riddicks Hilfe erbitten, bleibt indes nur eine von zahllosen unbeantworteten Fragen. Opulent visualisiert und rasant inszeniert, offeriert „Riddick – Chroniken eines Kriegers” den ambitionierten Versuch, sein frappierendes inhaltliches Vakuum und die schier bodenlosen Plotlöcher mit bombastischer Ausstattung und aufwendigen Actionszenarien zu übertünchen. Dass Twohy dieser konzeptionelle Kraftakt über weite Strecken seines trashigen Weltraum-Epos gelingt, ist neben trockener Selbstironie und straffer Direktion vor allem seinem charismatischen Hauptakteur zuzuordnen.

Mit dem stoischen Mienenspiel eines Dobermanns prügelt sich der Anti-Mime quer durch die abgelegensten Winkel des Universums und brilliert abermals als extraterrestrischer Schlagetot mit Kultstatus. Zwar vermag Regisseur Twohy seinem interstellaren Bad Boy die Aura eines gefürchteten Outlaws anzuhaften, entzaubert den Mystizismus des Riddick jedoch gleichermaßen durch kopflose Klischees und plumpe Ungereimtheiten. So präsentiert sich der Film als kurzweilige wie amüsante Mixtur aus „Conan – Der Barbar” und „Angriff der Klonkrieger”. Geistreich wie eine Schüssel voll Hunderotz sättigt das hervorragend bebilderte Spektakel in erster Linie das Okular, während die Hirnwindungen in dieser Periode durchaus einer Socke voller Popcorn weichen könnten. Zu guter letzt gipfelt das markige Füllhorn leidlich atmosphärischer Prügelorgien in ein Finale, das unvermittelt die Hintertür zu einer Fortsetzung aufstößt. Ob diese allerdings je Realität werden wird, bleibt nach dem fulminanten Misserfolg von „Riddick” durchaus zu bezweifeln.

Wertung: (6 / 10)

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