Ricochet – Der Aufprall (USA 1991)

ricochetWenn Produzent Joel Silver („Predator“, „Matrix“) im Hintergrund die Fäden zieht, dann bebt die Leinwand. Lange vor Jerry Bruckheimer („Con Air“) und seiner Invasion der stilisierten Pyroexzesse war er der Garant für furiose Actionspektakel, die sich nicht selten zu Genreklassikern mauserten. Einer der unbekannteren, darüber aber nicht weniger sehenswerten Filme Silvers ist „Ricochet“, den „Highlander“-Regisseur Russell Mulcahy als brutalen Thriller auf die Leinwand brachte.

Die von Steven E. de Souza („Stirb langsam“) zu Papier gebrachte Story bedient spürbar den Klassiker „Ein Köder für die Bestie“, mehr noch dessen populäres Remake „Kap der Angst“. Das Psychoduell tragen hier Denzel Washington („Training Day“) und John Lithgow („Cliffhanger“) aus, deren charakterliche Tiefe zugunsten visueller Schauwerte auf ein Mindestmaß gestutzt wird. Washington ist der junge Polizist Nick Styles, der durch die Festnahme des eiskalten Killers Earl Talbot Blake (Lithgow) zum Medienstar avanciert. Während Styles eine steile Karriere einschlägt, sinnt Blake im Knast auf Rache.

Der recht simpel gestaltete Plot arbeitet sich an bekannten Verstrickungen ab. Jahre werden zusammengerafft, in denen Styles den Bund der Ehe eingeht, Kinder zeugt und berufliche Erfolge feiert. Blake nutzt derweil seine Kontakte zur arischen Bruderschaft, um hinter Gittern den Ausbruch zu planen. Als der in gebotener Grobheit gelingt, täuscht der Psychopath seinen Tod vor und macht sich fortan daran, das Leben des Intimfeindes aus der Bahn zu werfen. Nachdem er Styles Laufbahn torpediert, den Familienfrieden ausgehebelt und die Medien auf ihn gehetzt hat, scheint die Rache perfekt. Doch mit dem Rücken zur Wand, wird der Gejagte plötzlich zum Jäger.

Der Film funktioniert nur auf einer Ebene, der des rasanten Action-Thrillers. Den deutlichen Überdurchschnitt besorgen neben der straffen Regie die Hauptdarsteller, allen voran der genüsslich zu Hochform auflaufende John Lithgow. Mit diabolischer Wonne schlüpft der renommierte Charakterdarsteller in die Rolle des skrupellosen Schwerverbrechers, blinzelt nur gelegentlich und tötet ohne mit der Wimper zu zucken. Sein Gegenüber Denzel Washington, der sich mit einem unpassenden Schnurbart schmückt, übertrifft er damit spielerisch.

Obwohl nur bedingt originell, verfügt der ironiefreie Reißer über einen konstanten Spannungsbogen. Der geht zwar nicht an die Nerven, dank des intensiven Scores von Alan Silvestri („Forrest Gump“) aber zumindest zeitweise unter die Haut. Die gute Besetzung, die in der zweiten Reihe Kevin Pollack („End of Days“) und Rapper Ice-T („Trespass“) auffährt, reibt sich in blutiger Action auf und schreitet auf den Stahltürmen von Los Angeles dem letzten Gefecht entgegen. Einen weiteren Klassiker hat Joel Silver mit „Ricochet“ nicht auf den Weg gebracht. Dennoch bleibt er ein Film, an den sich der geneigte Genrefreund gern zurückerinnern wird.

Wertung: (7 / 10)

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