Rhea M – Es begann ohne Warnung (USA 1986)

rheamAus der Selbstüberschätzung resultieren beizeiten die kuriosesten Werke. Fürs Kino schuf ein solches Bestseller-Autor Stephen King, der sich mit seiner bis dato ersten und einzigen Regiearbeit „Rhea M“ jegliche Grundlage entzog, Adaptionen seiner Schöpfung mit Kritik zu überziehen. Basierend auf der Short-Story „Trucks“, die unter gleichem Namen später noch einmal für den Videomarkt aufgelegt wurde, lässt er das technische Triumphirat der Menschheit gegen diese rebellieren. Neben Küchengeräten und Automaten treibt das auch des Mannes liebstes Kind, das Auto, auf die Barrikaden.

Wie so oft bei King spielt die Vorlage auf beschränktem Raum und jongliert mit Urängsten, die sich auch am offenen Ende nicht zerstreuen wollen. In Schrift wie Bild ist es eine Raststätte im amerikanischen Nirgendwo, die, als der Schweif eines Kometen die Erde streift, vom Zorn der elektronischen Errungenschaften heimgesucht wird. Die Beklemmung wird dabei gleich zu Beginn entschärft, wenn die Wirkungsdauer des Kometen zeitlich begrenzt wird. Während die Eingeschlossenen, unter anderem Emilio Estevez („Freejack“), also mit sich und der bedrohlichen Situation hadern, lassen die Lastwagen draußen ihre PS-starken Muskeln spielen.

Was hätte subtile Fortschrittskritik sein können, so wie es die naiven B-Movies der Neunzehnfünfziger dazumal vormachten, verkommt unter King zum platten Action-Spektakel. Der röhrende Soundtrack ist eine Zusammenstellung von Songs der australischen Hard-Rocker AC/DC, womit sich auch die Gruselatmosphäre früh verabschiedet. Dazu bei trägt aber insbesondere die fade Inszenierung, die als manifestes Feindbild einen mit grüner Teufelsfratze verzierten Laster aufbietet. Bevor es aber so weit kommt, werden erst einmal hübsch makabre Übergriffe auf den Menschen aneinandergereiht.

Dabei geht es heuer blutig zu, wenn King heftig suppende Puppen vor den Kühler knallt oder ein radelndes Kind von einer Dampfwalze überfahren lässt. Ganz geheuer war das den US-Sittenwächtern nicht, weshalb sie für eine Jugendfreigabe Schnitte verlangten. Doch auch so fordert die Belagerung der Lastwagen ihre Opfer. Dem Zuschauer aber kann dass egal sein, schließlich verkommen die Figuren – erwähnt seien nur Pat Hingle („Hängt ihn höher“) als Raststätteneigner und Lisa Simpsons englische Stimme Yeardley Smith als hysterische Braut – zu Projektionsflächen gängiger Charakterklischees. Und das ohne jede ironische Brechung. Ein dämlicher Film.

Wertung: 3.5 out of 10 stars (3,5 / 10)

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