Revenge of the Warrior – Tom Yum Goong (T 2005)

revenge-of-the-warriorPanom Yeerum nennt sich Tony Jaa. Sein Künstlername ist kurz, knackig und verleiht dem umjubelten „Ong Bak“-Star auch in westlichen Ländern ein Standbein der Wiedererkennung. Die Zeit nach dem Durchbruch füllte er mit einem Gastspiel in „The Bodyguard“, der seinen Filmpartner Petchtai Wongkamlao als Darsteller, Autor und Regisseur präsentierte. In „Revenge of the Warrior – Tom Yum Goong“ agieren beide erneut gemeinsam vor der Kamera. Wongkamlao ist einmal mehr für den Humor in der Geschichte verantwortlich, Jaa für Martial-Arts-Eskapaden, die der Schwerkraft nachhaltig den Sieg über die Kinnlade des Zuschauers bescheren.

Wie in „Ong Bak“ geht es auch hier um die Kluft zwischen Tradition und Moderne. Nur wird diesmal nicht der Kopf einer heiligen Statue gestohlen, sondern die beiden Elefanten von Kham (Tony Jaa) und seinem Vater. Thailänder pflegen ihre Werte, allen voran ihren Glauben. Entsprechend wirkt diese Welt familiärer Eintracht, in der die Dickhäuter fester Bestandteil des Zusammenlebens sind, wie das naiv verzerrte Spiegelbild der westlichen Patchwork-Familie. Umso härter trifft Kham der Schlag, als die Hauselefanten während des Neujahrsfestes entführt werden und der Vater von den Schurken angeschossen wird.

Man ist versucht „Revenge of the Warrior“ den Stempel „Ong Bak 2“ aufzudrücken, sind die Parallelen in Aufbau und Entwicklung der dünnen Alibihandlung doch frappierend. Logik spielt dabei selbstverständlich keine Rolle. Das Budget ist nach dem internationalen Erfolg des Vorgängers sichtlich gestiegen, das erlaubt die Verlagerung des Plots nach Sidney. Denn genau dorthin führt Khams Reise, an deren Ende er in einen brutalen Konflikt mit der Verbrecherorganisation von Madame Rose (Jing Xing) gerät. Im thailändischen Polizisten Mark (Petchtai Wongkamlao) findet er einen Verbündeten, ebenso in der neuzeitlichen Leibeigenen Pla (Bongkoj Khongmalai, „Bang Rajan“).

Als Kham mit Grausen feststellen muss, dass einer der Elefanten im Kochtopf eines illegalen Feinschmeckerrestaurants gelandet ist, sieht der drahtige Einzelkämpfer endgültig rot. Die folgenden Kampfchoreographien sind tollkühn, die zahllosen Knochenbrüche würden glatt für ein halbes Dutzend etwaiger Filme genügen. Die Bewegungsmuster, noch immer ohne jeden Einsatz von Drahtseil und doppeltem Boden, versetzen in Staunen. Aus dem Stand tritt Tony Jaa das Glas einer Straßenlaterne kaputt, die mehr als zwei Meter über dem Asphalt hängt. Neben Glas splittern vor allem Knochen. Der zweite Leinwandeinsatz des Shootingstars ist härter, akrobatischer und noch mehr gespickt mit waghalsiger Action.

Das Team ist das gleiche wie bei „Ong Bak“, neben dem bewährten Cast bedeutet dies die Inszenierung von Co-Autor und Regisseur Prachya Pinkaew. Die Entwicklung bleibt stetig spürbar, sei es bei der verbesserten Kameraführung oder den ausgeklügelteren Kampfszenarien. Nach Tony Jaas atemberaubender Balgerei mit einer Horde Extremsportler geht es Schlag auf Schlag. Der von Gegnern gesäumte Weg ins Restaurant kommt mehr als drei Minuten ohne Schnitt aus, das Szenario flößt allein in Anbetracht des logistischen Aufwands Respekt ein. Auch die Gegnerschaft wird vielseitiger, was neben einem Capoeira-Kämpfer gleich mehrere muskelbepackte Hünen für den Showdown bereit hält.

Die deutsche Version ist auch bei „Revenge of the Warrior“ inhaltlich arg gestutzt. Wer nach einer schlüssigen Handlung sucht, ist hier von vornherein an der falschen Adresse. Das verbliebende Rudiment, in dieser Form kaum mehr Sinn ergebend, versetzt dem frommen Wunsch nach einem geschlossenen Plot den Gnadenstoß. Was bleibt ist die Ergötzung an den spektakulärsten Martial-Arts-Exzessen seit der Hochzeit des Hongkong-Kinos. Deren Aushängeschild Jackie Chan wird in Form eines Doppelgängers am Flughafen kurze Referenz erwiesen. Zu verstecken braucht sich Thailands Filmindustrie längst nicht mehr. Kaum auszudenken was geschähe, würde sich diese Kreativität auch in der Konzeptionierung der Geschichten wiederspiegeln.

Wertung: (8 / 10)

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