Retroactive – Gefangene der Zeit (USA 1997)

retroactive„Women. Can’t live with them, can’t blow their heads off.“ – Frank

Was macht eine amerikanische Polizeipsychologin, wenn die jüngste Intervention bei einer Geiselnahme den Tod aller Festgehaltenen nach sich zog? Richtig, sie fährt in der texanischen Wüstenlandschaft herum. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und schon kracht Karens (Kylie Travis, „Models, Inc.“) Wagen in ein „Don´t mess with Texas!“-Schild. Der Fortuna sei gedankt, sind auch Frank (James Belushi, „Red Heat“) und Rayanne (Shannon Whirry, „Mike Hammer“) auf derselben staubigen Route gen Mexiko unterwegs. Koteletten-Fan Frank lässt es sich natürlich nicht nehmen die hübsche Karen mitzunehmen, um sie ungeachtet seines Liebchens forsch anzubaggern

Einem Deal mit gestohlenen Microchips hat das Duo Kohle für viele Margaritas zu verdanken. Dummerweise erfährt Frank, dass seine Kleine auch anderen mexikanischen Leckereien nicht widerstehen kann – hier verkörpert durch Jesse (Jesse Borrego, „Dexter“) –, worauf er das einleitend angeführte Zitat kurzerhand vernachlässigt und Rayanne in den Kopf schießt. Karen gelingt die Flucht in eine Forschungsstation, in der Wissenschaftler Brian (Frank Whaley, „Pulp Fiction“) mit Zeitexperimenten herumspielt. Einige typische 90er-B-Film-Blitzeffekte später landet sie 20 Minuten in der Vergangenheit.

Solch eine Gelegenheit wird natürlich prompt beim Schopfe gepackt, damit all das, was zuvor schief gelaufen ist, verhindert werden kann. Aber natürlich läuft alles noch schiefer ab und es geht abermals zurück ins Vergangene, um es jedes Mal noch schlimmer zu machen – sprich immer mehr Menschen in den Tod zu stürzen. Wird Karen das karmische Blutbad doch noch zu verhindern wissen? Ja, ja – Zeitreisefilme und Logik. Doch bevor man überhaupt damit anfängt Begrifflichkeiten wie innere Logik bzw. Unlogik im beliebten Subgenre der Science-Fiction-Sparte ins Spiel zu bringen, sollte man fairerweise bedenken, dass trotz der Herren Einstein oder Hawking die Zeitreise an sich noch nicht unbedingt zum Kanon der physikalischen Wissenschaften gerechnet werden darf.

Wer mit diesem Axiom leben kann, der wird in „Retroactive“ eine kleine Perle finden. Das berühmte Story-Rad wollte Regisseur Louis Morneau (drehte mit Belushi auch „Made Men“) keinesfalls neu erfinden. Entsprechend liegt sein Hauptaugenmerk auf der Action. Mit jedem Rücklauf werden mehr Kugeln verschossen, mehr Autos verschrottet und mehr Blut vergossen. Doch was Morneaus beste Arbeit – später fabrizierte er die unsäglichen Sequels zu „Hitcher“ und „Joyride“ – noch mehr auszeichnet ist James Belushis Engagement, der in der Rolle des Soziopathen Frank eine der besten Rollen seiner gesamten Laufbahn gefunden hat. Wenn möglich sollte man sich unbedingt die englische Originalfassung antun, da sein Frank dort durch die schmierig-texanische Sprechweise noch rüpelhafter daher kommt.

Belushi bekommt zum Glück sehr viel Screentime, von der er jede Sekunde sichtlich genossen zu haben scheint. Dass da der Rest der Darstellercrew nicht mithalten kann, ist fast schon selbstverständlich. Aus dem Rahmen fällt jedoch keiner der Beteiligten. Kylie Travis ist in ihrem engen Top nebenbei auch noch ganz hübsch anzusehen. All dies lässt auch schnell vergessen, dass sich außerhalb der Zeitreise-Thematik oft Unlogik einschleicht, etwa wenn ein Revolver mit sechs Kugeln in einem Durchzug fast dreimal so viel Munition verfeuern kann. „Retroactive“ ist leider nur Belushi Fans oder S/F-Allesguckern ein Begriff, obwohl er als Geheimtipp mehr Beachtung verdient hätte. Wer von „12:01“ (1993) oder „Triangle“ (2009) wiederholt „amüsiert“ wurde, kann mit dieser blutigen „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Variante einen Heidenspaß haben.

Wertung: (7 / 10)

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