Requiem for a Dream (USA 2000)

requiemforadreamSucht macht kaputt! Dieser Erkenntnis können sich auch die im Teufelskreis gefangenen Abhängigen nicht verschließen. Nur lässt sich mit Einsicht allein nicht der destruktive Zwang außer Kraft setzen, der die Betroffenen in einem unerbittlichen Mahlstrom körperlicher und/oder seelischer Abhängigkeit zugrunde richtet. Genau das veranschaulicht Darren Aronofsky („Pi“) in „Requiem for a Dream“, führt seine Protagonisten aber mit streitbarer Vehemenz ins Verderben. Doch gilt diese nicht der dramaturgischen Ausschlachtung des Elends.

Aronofsky übertreibt zu Recht. Er will keine bis ins letzte Detail authentische Milieustudie, erhebt nicht einmal Anspruch auf größtmöglichen Realismus. Das bittere Melodram, ein meisterlich in den Hals der Zuschauer gestoßener Klos, soll aufwühlen und bei den Eingeweiden packen. Das gelingt mit einer Leichtigkeit, die dem tragischen Tenor sichtlich entgegensteht. Es geht um den Rausch, die zwanghafte Suchtbefriedigung, die vier Menschen ins Verderben reißt. Ellen Burstyn („Alice lebt hier nicht mehr“) wurde für ihre Leistung gar mit einer Oscar-Nominierung gewürdigt.

Sie spielt Sara Goldfarb, eine alternde New Yorker Witwe, der Sohn Harry (Jared Leto, „Fight Club“) nebst Kumpel Tyrone (Marlon Wayans, „Scary Movie“) gern den Fernseher stibitzt, um diesen gegen ein paar Kröten beim nahen Pfandleiher einzutauschen. Mutter löst die Glotze später wieder aus, schließlich ist sie geradezu vernarrt in eine Spielshow mit Lebenshilfe-Touch. Was recht harmlos und hoffnungsvoll beginnt, zieht bald immer größere Kreise um die Befriedigung destruktiver Bedürfnisse. Über ein kurzes Bergauf geht es wenig später steil abwärts.

Harry und Freundin Marion (Jennifer Connelly, „A Beautiful Mind“) hängen an der Nadel, was so lange funktioniert, wie der von ihm und Tyrone aufgezogene Drogenhandel floriert. Doch plötzlich bricht ein Bandenkrieg aus und die Quellen versiegen. Das Ersparte geht zur Neige, die Nerven liegen blank. Sara versucht mittels vermeintlicher Schlankheitspillen unterdessen für einen Auftritt im Fernsehen die Figur in Form zu bringen. Mit steigender Dosis nehmen auch Wahnvorstellungen zu. Am Ende, wenn die Sucht endgültig ihren (erschütternden) Preis fordert, ist nichts mehr wie es war.

Den zunehmend destruktiven Taumel ins Verderben (Harrys Versuch, sich eine Fixe in die verfaulte Armbeuge zu setzen ist ein Garant für flaues Bauchgefühl) spickt Aronofsky mit visuellen Extravaganzen, die sich in schnellen Schnittfolgen und unmittelbaren collagenartigen Montagen der Ästhetik von Videoclips bedienen. Die verzerrte Wahrnehmung der Protagonisten oktroyieren der Regisseur und Autor Hubert Selby Jr., der sein Buch gleich selbst adaptierte, dem Zuschauer auf. Um Sympathien geht es schlussendlich nicht mehr. Es regieren Leid und Mitleid. Ein visuell bestechendes, dramaturgisch überzeichnetes Meisterwerk.

Wertung: (8 / 10)

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