Repo Men (USA/CDN 2010)

repo-men„At the end, a job is not just a job. It is who you are. And if you want to change who you are, you have to change what you do.“ – Späte Einsicht mit Konsequenzen: Remy

Wenn jemand die Rate fürs Auto nicht bezahlen kann, wird es irgendwann abgeholt. Warum sollte für Organe nicht dasselbe gelten? Im nicht näher spezifizierten, wohl aber nicht allzu weit entfernten Zukunftsentwurf von „Repo Men“ ist die Lebensverlängerung mit künstlichen Körperteilen ein lukratives Geschäft. Die Leute, so pflegt es Manager Frank (Liev Schreiber, „Taking Woodstock“) bei den Verkaufsgesprächen stets zu sagen, wären es sich und ihren Familien schuldig. Die Konsequenzen jedoch verschweigt er. Nach 90 Tagen erhalten säumige Kunden Besuch von unerbittlichen Spezialisten, die dem Union-Konzern mit angebrachter Gnadenlosigkeit ihr rechtmäßiges Eigentum zurückholen.

Einer der besten seines Fachs ist Remy (Jude Law, „Sherlock Holmes“), der mit Partner Jake (Forest Whitaker, „The Last King of Scotland“) jeden Funken Empathie verloren zu haben scheint. Seine Ehe steckt in einer tiefen Krise. Den Job aufgeben mag er aber nicht. Eine Bewusstseinsänderung tritt erst ein, als man ihm nach einem Arbeitsunfall selbst ein künstliches Herz implantiert. Plötzlich regt sich Remys Gewissen und errichtet eine Hemmschwelle, die die Arbeit für ihn unmöglich macht. Auch Jakes Beistand bewahrt den Freund nicht vor dem Unvermeidlichen. Als er in Zahlungsrückstand gerät, wird er zum Gejagten. Für die professionellen Wiederbeschaffer ist ein Job schließlich ein Job.

Obwohl Regisseur Miguel Sapochnik nach einem unerwartet expliziten und ungemein zynischen Auftakt mehr und mehr in Konvention und Vorhersehbarkeit verfällt, ist sein unappetitlicher Sci-Fi-Thriller (nach dem Buch „The Repossession Mambo“ von Eric Garcia, der auch am Drehbuch mitschrieb) ein durchaus mutiges Stück Unterhaltungskino. In den Neunzehnachtzigern machte Paul Verhoeven mit „RoboCop“ vor, wie der Blick in die Zukunft zum satirischen Blutbad ausarten kann. Zwar offenbart „Repo Men“ nicht derartige Klassikerqualitäten, die eine oder andere (positive) Überraschung behält der visuell beeindruckende Film aber in der Hinterhand.

Auf der Flucht verbündet sich Remy mit der an diversen Körperstellen runderneuerten und ebenfalls gesuchten Nachtclubsängerin Beth (Alice Braga, „Predators“) und holt, als er auf Franks Geheiß zum Abschuss freigegeben wird, zum Gegenschlag aus. Selbst wenn der finale Kniff erahnbar bleibt und Sapochnik der Geschichte über Off-Kommentare und bisweilen aufgesetzt wirkende Coolness wenig Neues entlocken kann, fesselt die straff inszenierte Menschenjagd über die volle Distanz. Maßstäbe setzt die im Detail mit Anleihen bei „Logan’s Run“, „THX 1138“, „Matrix“ oder selbst „Oldboy“ gespickte Auflehnung gegen die Menschenverachtung des monopolisierten Organhandels keine. Für bluttriefende Unterhaltung mit dezentem Hintersinn reicht es trotzdem mit Leichtigkeit.

Wertung: (6,5 / 10)

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