Renaissance (F 2006)

renaissance-2007Wie die Welt von morgen aussehen könnte, lässt die Produktionsdesigner der Filmindustrie seit Jahrzehnten um Originalität buhlen. Die Computertechnik hat die Vision nicht nur vereinfacht, sie ist zu ihrem Standbein geworden. Der Franzose Christian Volckman bedient sich für sein faszinierendes Opus „Renaissance“ bei Motiven von Film Noir bis Philip K. Dick – und lässt das futuristische Paris und dessen Bewohner komplett am Rechner entstehen. Das besondere an seinem verschachtelten Science-Fiction-Thriller aber ist die Farbgebung. Denn Volckmann taucht die Utopie komplett in Schwarz und Weiß. Ausgeklügelte Licht-Schatten-Nuancen sorgen für den visuellen Feinschliff.

Das Konzept ist gewöhnungsbedürftig, zieht aber schnell in seinen Bann. Dazu kommt eine komplexe, nicht minder fesselnde Geschichte, die dem Zuschauer volle Konzentration abverlangt. Geschrieben wird das Jahr 2054. Ganz Paris ist videoüberwacht, während Werbebotschaften über gigantische, freischwebende Leinwände flimmern. Im Hintergrund zieht der Konzern Avalon die Strippen. Als die junge Wissenschaftlerin Ilona verschwindet, begibt sich Polizist Karas auf die Suche. Mit ihrer älteren Schwester Bislane muss der Ermittler schnell erkennen, dass er es mit einer Verschwörung auf höchster Ebene zu tun hat. Und einem Experiment, dass die Menschheit in ihrer genetischen Beschaffenheit auf ewig verändern könnte.

Frankreichs Metropole als Spielplatz für kühle Architekten: Die Megalopolis ist ein steriles Universum aus Stahl und Beton. Dazu kommen glasige Displays und Projektionsflächen. Das Szenario wirkt emotionslos. Ebenso die Menschen. Auf dieser Basis gelingt Volckman ein düsteres Bildnis potentiell futuristischer Gesellschaftsformen. Dass die Technik nicht nur im Film das herrschende Element stellt, ist kein Zufall. Sie ist die Essenz hinter dem gesamten Projekt und dominiert entsprechend die Übersetzung in die Sprache des Kinos. Das bedeutet, neben der rätselhaften Handlungsfolge, bekannte Elemente verschiedener Genres. Sie Klischees zu nennen, ginge zu weit.

Die Enträtselung der Hintergründe gestaltet sich spannend genug, um die Vielschichtigkeit des Plots nicht an unnötigen Actionballast zu vergeuden. „Renaissance“ ist ein Cyber-Thriller von Format, untermalt von starker Musik und mit einer glänzenden Synchronisation bedacht. In der englischen Sprachfassung noch mehr als in der deutschen, konnten dort doch namhafte Schauspieler als Stimmgaben verpflichtet werden: Daniel Craig, Ian Holm, Catherine McCormack und Jonathan Pryce. Dass die Verschachtelung der Ereignisse überfordern kann, mindert den Reiz des Films nur bedingt. In der Hauptsache gelingt das Experiment, was die finalen Auflösungen nicht weniger absehbar erscheinen lässt, sie aber auch nicht ihrer Spannung beraubt. Ein letztlich geglückter Spagat zwischen Anspruch und Unterhaltung.

Wertung: (7 / 10)

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