Reine Formsache (D 2006)

reine-formsacheNachdem im Zuge des Erfolgs von „American Pie“ die deutsche Beziehungskomödie vom Schlage „Irren ist Männlich“ durch Teeniekomödienfakalwitzrestverwertungen wie „Harte Jungs“ abgelöst wurde, ist es still geworden um allemanische Herzschmerzfetzen. Sie waren dank der deutschen TV-Landschaft zwar nie ganz weg – dafür sorgten zahllose ProSieben- und Sat.1-Filmchen mit Abwandlungen des Terminus „Ficken“ im Titel, die zumeist das Zelluloid nicht wert waren auf das sie gebannt wurden – aber wenigstens aus den Kinosälen hatte man diese Schmonzetten, die in drei von vier Fällen einen Film mit Julia Roberts oder Meg Ryan imitierten, verbannt. Jetzt kehrt mit „Reine Formsache“ – völlig ohne Not – die deutsche Beziehungskomödie zurück.

Die Ehe von Felix (Marc Hosemann, „Jeans“) und Pola (Christiane Paul, „Workaholic“) steht vor dem Aus. Eigentlich müssten nur noch die Scheidungspapiere unterschrieben werden, doch Felix lässt einen Termin nach dem anderen platzen. Denn in seiner Welt, in der das größte Problem mit einem Besuch im Casino gelöst werden kann, ist Pola wohl immer noch die Vertrauen stiftende Maßnahme, die Konstante an der er sich orientieren kann. Entsprechend verloren irrt er durchs Leben, nachdem sie ihn verlassen hat. Mit seinem grenzdebilen Vater (Michael Gwisdek, „Barfuss“) kommt er nicht zurecht und Entlastung sucht er, indem er sich in schicken Szenekneipen durch seinen Freundeskreis vögelt. Kleine Verwerfungen mit seinen Freunden (mit dabei Oliver Korittke und Bastian Pastewka) stehen dem neuen orientierungslosen Singleleben dabei nur kurz im Weg. Doch auch Pola sucht immer wieder die Nähe von Felix.

Ja, „Reine Formsache“ ist wirklich so unbedeutend. Es will schon was heißen, wenn Bastian ‚Brisko Schneider’ Pastewka als einer der wenigen Lichtblicke eines Films durchgeht. Neben dem völlig überforderten Marc Hosemann strahlt der ehemalige „Wochenshow“-Clown geradezu und auch Oliver Korittke sorgt für einige kurzweilige Szenen. Insgesamt ist der Film jedoch eine große Aneinanderreihung von Nichtigkeiten. Nicht einmal Christiane Paul, die ja nicht nur in so armseligen Machwerken wir „Workaholic“ mitspielte, sondern immer mal wieder auch an einen Film von der Qualität von „Die Häupter meiner Lieben“ mitwirkt, gibt hier eine völlig nebensächliche Darstellung. Sicher, bei diesem höhepunktfreien Drehbuch ist das auch nicht weiter verwunderlich. „Reine Formsache“ zeichnet sich wenn überhaupt durch eine angenehme Realitätsferne aus.

Es ist, als wäre der Neue Markt nie zusammengebrochen. Da leben junge, erfolgreiche Bohemiens in der hassenswerten Schickeria West-Berlins in großen Wohnungen oder prachtvollen Villen – ohne ein Tagewerk verrichten zu müssen, das über das Kellnern in angesagten Cafés oder in mit indirektem Licht ausstaffierten Szenebars an der Theke stehen hinaus gehen würde. Probleme? Die kann man im Casino lösen! Und der alte Vater, der zunehmend die Peilung verliert? Kratzt eh bald ab. Regisseur Ralf Huettner („Mondscheintarif“) hat mit „Reine Formsache einen Film geschaffen, der so unbedeutend ist, dass man ihn nicht mal schlecht nennen muss. Die völlige Nebensächlichkeit war einer der Gründe, warum das Genre der deutschen Beziehungskomödie schließlich den Bach hinuntergehen musste. In diese Tradition reiht sich dieser Film nahtlos ein. Wir werden noch sehr lange auf ein deutsches „Harry und Sally“ oder „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ warten müssen.

Wertung: (4 / 10)

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