Red Eye (USA 2005)

red-eye„Sometimes bad things happen to good people.“

Wes Craven ist eine der großen Ikonen des Horrorfilms. Mit „Last House on the Left“ (1972) und „The Hills Have Eyes” (1977) bereicherte er das Grenzen sprengende Terror-Kino um bedeutsame Beiträge, ehe er mit „Nightmare on Elm Street“ (1984) endgültig in den Olymp des Schreckens einfuhr. Späte Ehrung durch den Mainstream erfuhr Craven mit der „Scream“-Trilogie (1996-2000), die eine Renaissance des Slasherfilms einläutete. Mit „Music of the Heart“ (1999) brach der heute 66-jährige erstmalig aus dem Rahmen gewohnter Genre-Kost aus und inszenierte ein sensibles Drama. Ein Schritt auf ungewohntem Terrain ist auch Cravens jüngster Film „Red Eye“. Der hat zwar keinerlei Anspruch zu bieten, dafür aber nervenzerrende Spannung auf den Spuren von John Badhams „Gegen die Zeit“.

Nach der Beerdigung ihrer Großmutter will die leitende Hotelangestellte Lisa Reisert (Rachel McAdams, „Die Hochzeits-Crasher“) von Texas in ihre Heimatstadt Miami fliegen. Am nächtlich überfüllten Flughafen macht sie die Bekanntschaft des charmanten Jackson Rippner (Cillian Murphy, „28 Days Later“), der sie nicht nur zu einem Drink einlädt, sondern im Flieger auch den Platz neben ihr beansprucht. Die Freundlichkeit des charismatischen Fremden schlägt nach dem Start der Maschine allerdings schnell in berechnende Kälte um. Denn Lisa ist Teil eines perfiden Plans, der ein Attentat auf den hochrangigen Politiker William Keefe (Jack Scalia, „Fear City“) ermöglichen soll. Via Telefon soll sie eine Umbuchung von Keefes Zimmer vornehmen, der wie gewohnt in dem von Lisa betreuten Hotel unterkommt. Im Gegenzug bleibt Lisas Vater (Brian Cox, „The Ring“) verschont, der von einem Hintermann Rippners bedroht wird.

„Red Eye“ ist ein kleiner, hundsgemeiner Psycho-Thriller mit unverbrauchten Darstellern und hochdosiertem Adrenalinausstoß. Zwar ist das Drehbuch des TV-Autors Carl Ellsworth („Xena“, „Buffy“) unlogisch und mitunter arg konstruiert, die starken Akteure und die kurzweilige Inszenierung bügeln logische Schwächen jedoch gekonnt aus. Selbst die nach zwei Dritteln einkehrende Routine und Cillian Murphys finale Wandlung zum Standard-Psychopathen rütteln am positiven Gesamtbild wenig. Einen Wes Craven hätte es für die Inszenierung des Reißbrett-Thrillers sicher nicht gebraucht, doch verleiht die Regie des Altmeisters „Red Eye“ ein sicheres Standbein. Und mag sein schlichtes Spätwerk auch nicht über die Cleverness von „Phone Booth“ verfügen, der enorme Unterhaltungswert und das hohe Tempo machen den sehenswerten Film zu einem schnell verdauten Kino-Häppchen. Wohl bekomm’s!

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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