RED – Älter. Härter. Besser. (USA 2010)

red-2010Frank Moses (Bruce Willis, „Planet Terror“) langweilt sich. Wundern dürfte das niemanden, war er vor dem Ruhestand doch ein verdammt tougher CIA-Agent. Etwas Abwechslung bringen ihm lediglich die Anrufe von Telefonistin Sarah („Weeds“-Star Mary-Louise Parker), die sich um seine Rentenschecks kümmert und mit dem in die Jahre gekommen Haudegen heftig flirtet. Eines Nachts ist es aber mit der Beschaulichkeit vorbei. Ein schwer bewaffnetes Team von Unbekannten stürmt Franks Vorort-Domizil, mit der Absicht ihn zu töten. Die geballte Ladung kämpferischer Erfahrung lässt die Eindringlinge aber nicht einmal bis zum Badezimmer vordringen.

Selbstverständlich versucht Frank die Drahtzieher des Attentatsversuchs ausfindig zu machen. Da er nun auch Sarah in Gefahr wähnt, immerhin hält sie ja via Telefon Kontakt zu ihm (!), begibt er sich zu ihr, um sie, zunächst gegen ihren Willen, auf seiner Odyssee mitzunehmen. Zur selben Zeit wird der junge und aufstrebende CIA-Agent William Cooper (Karl Urban, „Pathfinder“) auf den Flüchtling angesetzt. Doch hat Glatzkopf Frank in all den Jahren freilich auch gelernt, dass solch heikle Missionen ohne kollegiale Unterstützung nicht durchführbar sind. Aus diesem Grund kontaktiert er seine ehemaligen, ebenfalls pensionierten Mitstreiter, die ohne mit der Wimper zu zucken vom Altenteil zurücktreten.

Mit gutem Grund, haben doch auch Franks Mentor Joe (Morgan Freeman, „The Dark Knight“), der paranoide Verschwörungstheoretiker und Waffenfetischist Marvin (John Malkovich, „Burn After Reading“), die Blumen züchtende Ex-Killerin Victoria (Helen Mirren, „Die Queen“) und der vormals russische Agent Ivan Simanov (spielte 2008 in der Jack Ketchum-Romanverfilmung „Red“ mit: Brian Cox) wie Frank den Status „R.E.D.“. Und der steht für nichts anderes al „Retired. Extremly. Dangerous“.

Ein Team von in die Jahre gekommenen Actionhaudegen. War da nicht was? An „The Expendables“, Sylvester Stallones Klassentreffen der Krawallfilmikonen von einst, dürfte dieses Jahr kaum ein Actionfan vorbei gekommen sein. Auch in der prominent besetzten DC-Comicverfilmung „R.E.D.“ dürfen über 50-jährige mit großkalibrigen Wummen hantieren und flotte Sprüche zum Besten geben. Dass aus Warren Ellis’ mit 60 Seiten knapp bemessenen Graphic Novel gerade mal die Ausgangsprämisse übernommen wurde, dürfte die Kenner der Materie durchaus stören, kommen Franks schlagkräftige Hilfstruppe und der reiche Humoranteil dort doch gar nicht vor.

Die Zelluloidvariante ist also ein eigenständiges Werk, gewiss mit Ecken und Kanten, das aber durchweg zu unterhalten weiß. Besser als Willis’ oder Malkovichs jüngstes Mitwirken in einem verfilmten Comic (namentlich „Surrogates“ und „Jonah Hex“) ist Robert Schwentkes („Flightplan“) drittes Hollywood-Engagement denn auch allemal. Der hektisch vorgetragenen und nicht sonderlich innovativen Story schenkt man schon binnen kurzer Zeit nicht mehr die volle Aufmerksamkeit. Für solche Mängel entschädigt aber der sichtlich gut gelaunte Cast.

Willis koketiert mit seiner Paraderolle des Überkämpfers, die Oscar-Preisträger Mirren und Freeman sind routiniert bei der Sache und die Kurzauftritte von Richard Dreyfuss („Der weiße Hai“), Kino Legende Ernest Borgnine („The Wild Bunch“) und „Dexter“-Daddy James Remar wissen ebenfalls zu gefallen. Den Vogel schießt allerdings John Malkovich ab, der seinen von Drogenexperimenten gezeichneten Waffennarr Marvin derart überdreht verkörpert, dass man nicht umhin kommt, ihn trotz seines unübersehbaren Dachschadens (oder gerade deswegen) ins Herz zu schließen. Nach verrichteter Arbeit an der Bleispritze fragt er in seiner stuzigen Art, ob er denn nun endlich Pancakes haben könne!

Allzu viel spektakuläre Action bekommt man leider nicht zu sehen, wenn die zahlreichen Shootouts auch solide umgesetzt sind. Einzig Malkovich hat ein überdrehtes Duell mit einer Bazooka-schwingenden Agentin zu meistern, der mehr zu „Drei Engel für Charlie“ gepasst hätte, aber dennoch sehr amüsant daher kommt. Mit 110 Minuten ist „R.E.D.“ zwar etwas zu lang geraten, die Comicverfilmung, die eigentlich keine ist, unterhält größtenteils aber so gut, dass nicht nur Fans des unerschütterlichen Action-Recken Bruce Willis einen Blick riskieren dürfen.

Wertung: (6,5 / 10)

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