Ray Wilson – Song for a Friend (2016, Jaggy D/Soulfood)

ray-wilson-song-for-a-friendRay Wilson zählt unbestritten zu den markantesten Gesichtern (und Stimmen) im europäischen Rock-Zirkus. Als Frontmann von STILTSKIN, CUT_ und natürlich GENESIS hat er ein Millionenpublikum erreicht. Doch der Schotte kann auch anders. Seine gefühlvolle Seite offenbart er seit Beginn des neuen Jahrtausends als Solo-Künstler – und präsentiert mit „Song for a Friend“ sein neuestes Werk im Singer/Songwriter-Segment. Ausschlag dazu gab der Tod seines Freundes James Lewis. Wilson münzte seine Trauer in Kreativität um und ließ sich – wie er im Booklet der als Mediabook aufgemachten CD selbst ausführt – von den vielen Erfahrungen seiner intimen Akustik-Shows inspirieren.

Dabei heraus kamen 10 Stücke, die er selbst als „Musical Short Stories“ umschreibt. Sie handeln vom Leben und den damit verbundenen Emotionen. Oder, wie das eröffnende „Old Book On the Shelf“ offenbart, einem alten Buch. Dabei zeigt sich rasch das Problem der Platte: So viel Ray Wilson auch von sich und seinen Gedanken preisgibt, über gediegene Langatmigkeit greift er nur selten hinaus. Hinzu kommen erzählerische Flachheiten, was vor allem für den Titelsong gilt, in dessen Mittelteil er eine schwülstige Ode an seine Mutter anstimmt. Handwerklich ist „Song for a Friend“, unterstützt von STILTSKIN-Gitarrist Uwe Metzler, tadellos. Aber die Leidenschaft, die von den Beteiligten zweifelsohne in die Scheibe eingeflossen ist, schlägt beim Hörer bestenfalls bedingt in Faszination um.

Strukturell auf das Nötigste reduziert, mangelt es bisweilen schlicht an Abwechslung. Die Drums bei „How Long is Too Long“ oder das Saxophon bei „Tried and Failed“ bieten Lichtblicke, die über die volle Distanz zu spärlich erscheinen, als dass die Platte mehr als flüchtige Begleitklänge böte. Da hat der Independent-Sektor im Akustik-Bereich deutlich spannendere Platten zu bieten.

Wertung: (6 / 10)

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