Ratten – Sie werden dich kriegen! (D 2001)

rattenherforthEs ist der heißeste Sommer seit 150 Jahren, in Frankfurt streikt die Müllabfuhr und Hubschrauberpilot Dabrock wird seines Postens beim Katastrophenschutz enthoben. Und das nur, weil er für die waghalsige Rettung eines kleinen Mädchens die Stromversorgung der Börse gekappt hat. Die Bürgermeisterin gibt sich in dieser Angelegenheit unnachgiebig, schließlich hat sie mit Müllbeseitigungschaos und einer das öffentliche Leben zusätzlich lähmenden Grippewelle schon genug Probleme. Dabrock jedenfalls wird zu den städtischen Rattenfängern versetzt. Für das sich anbahnende Desaster ein schierer Glücksfall.

Als die Mainmetropole nämlich von einem Rattenheer heimgesucht wird, das wie eine biblische Plage über die Einwohner kommt, ist der notorische Draufgänger, herrlich knorrig gespielt von Ralph Herforth („Speed Racer“), der richtige Mann am richtigen Ort. Bis er sich aber im Kampf mit den Nager-Horden beweisen muss, darf er erfolglos mit Katrin (Anne Cathrin Buhtz, „Post Mortem“), der Mutter des geretteten Kindes anbandeln. Die hat als angehende Ärztin bald alle Hände voll zu tun, überträgt sich mit den zunehmenden Übergriffen der Tiere doch ein tödliches Virus auf den Menschen.

In Deutschland sind Tierhorror- meist Katastrophenfilme. Die Fernsehproduktion „Ratten – Sie werden dich kriegen!“ bildet da keine Ausnahme. Statt auf Schocks setzt der von Jörg Lühdorff („Der Wannsee-Mörder“) solide gedrehte Thriller auf Action und Tempo. Dabei hält er sogar eine gewisse Spannung, obgleich der Plot streng vorhersehbar einem explosiven Lösungsansatz entgegen strebt. Frankfurt mag dabei unter Hitze-, Müll- und Rattenplage ächzen, dem Film geht es aufgrund akuter Klischeeüberlastung auch nicht anders. Heraus reißen es der immer sehenswerte Herforth, die dressierte Schar echter Ratten und die offenkundige Realitätsferne.

Dem Unterhaltungswert zuträglich ist aber vor allem der herrlich übertrieben zu Werke gehende Christian Kahrmann („Und tschüss!“), der als ´Stuffz´ Hubert, Bundeswehr-Veteran aus Leidenschaft. zu Hause Sprengstoff hortet und auch sonst bei jeder Gelegenheit den bübischen Stiernacken markiert. Dabrock, der mit der Signalpistole auch mal eine Ratte in der eigenen Kloschüssel ausmerzt, nimmt mit ihm, dem tschechischen Kollegen Honsa (Miroslav Táborský, „Kolja“) und Werner (Janek Rieke, „Herr Lehmann“), dem Assistenten der Bürgermeisterin, den Kampf auf – und hält souverän bei Laune, ohne über die Standarten etwaiger US-Produktionen hinauszugreifen.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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