Rabbit on the Moon – Endstation Mexiko (GB/MEX 2004)

rabbitonthemoonDie politische Bühne Mexikos ist ein Sumpf aus Korruption und krummen Geschäften. Wer nicht kooperiert, wird unter unmenschlichen Methoden zum Einlenken gezwungen. „Rabbit on the Moon“, geschrieben, produziert und inszeniert von Jorge Ramírez Suárez („Our Troubles Will Soon Be Over“) skizziert das düstere Bild der gesellschaftlichen Führung eines Schwellenlandes, in dem Politik einem Schlachtfeld gleicht. Verpackt in einen spannenden Thriller-Plot bilden staatliche Willkür und internationale Verstrickungen den Ausgangspunkt einer Geschichte, die den langen Arm einer heimlichen Bananenrepublik bis nach Europa reichen lässt.

Als ein namhafter mexikanischer Politiker im Auftrag zwielichtiger Mitstreiter ermordet wird, fällt während des brutalen Verhörs eines Drahtziehers der Name Antonio Santos (Bruno Bichir, „Der Garten Eden“). Der junge Familienvater, verheiratet mit der Britin Julie (Lorraine Pilkington, „Human Traffic“), hat mit dem Auftragsmord nichts zu tun und wird doch zum Sündenbock der Tat gestempelt. Der Anwalt Alfredo (Rodrigo Murray, „Amores Perros“) verhilft ihm zur Flucht nach England, wo Antonio bei Julies ehemaligem Geliebten, dem Polizisten Ian (Adam Kotz, „Schüsse durchs Herz“) Unterschlupf findet. Julie und das gemeinsame Kind werden in der Heimat von Unterstaatsanwalt Ramirez (Jesús Ochoa, „Mann unter Feuer“) als Geisel gehalten. Als Ramirez auch noch den kriminellen Lopez (Álvaro Guerrero, „In the Country Where Nothing Happens“) als Botschafter nach England entsendet, versucht Antonio über ihn das Leben seiner Frau zu retten.

Unspektakulär und gänzlich ohne reißerische Tendenzen strickt Jorge Ramírez Suárez den packenden Plot mit heißer Nadel. Die Zahl der involvierten Figuren zwischen Mexiko und England ist groß, der Film in seiner konspirativen Komplexität von den glaubhaften Darstellern getragen. Gespickt mit scheinbar beiläufiger Dramatik und nur auf dem Weg zum nüchternen Finale geringfügig konstruiert, ist „Rabbit on the Moon“ ein harter Polit-Thriller, der ein fiktives Netzwerk krimineller Aktivitäten in öffentlichen Ämtern aufzeigt. Das eigentlich erschreckende daran aber ist, dass der Regisseur mit dieser Schreckensvision nicht allzu weit von der Realität entfernt sein dürfte.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Engel + Joe (D 2001)

    Die deutsche Produktion „Engel & Joe“ zeigt Robert Stadlober als jugendlichen Punk Engel, der mit seinen Freunden die meiste Zeit des Tages biertrinkend auf der Kölner Domplatte verbringt. Als er die junge Ausreißerin Joe (Jana Pallaske) kennenlernt, verlieben sich die beiden prompt ineinander. Doch das junge Glück muss erst einmal die alltäglichen Probleme wie Knast,…

  • Safety Not Guaranteed (USA 2012)

    Das amerikanische Independent-Kino ist immer wieder für sympathische Kleinodien gut, die spleenige Figuren auf melancholischem Terrain präsentieren und abseits der oft erzwungenen Witzigkeit des Mainstreams wortreich gegen beständige Konventionen gerichtet sind. Ein solches ist auch Colin Trevorrows „Safety Not Guaranteed“, das Außenseiter-Romanze mit Science-Fiction vermischt und ohne große Töne oder übertrieben absurde Gesten dazu einlädt,…

  • Giallo (I/USA/GB/E 2009)

    Giallo, italienisch für die Farbe Gelb, bezeichnet zugleich südeuropäische Krimis, die sich durch spezifische inszenatorische Gesetzmäßigkeiten seit den Neunzehnsechzigern als Sub-Genre etabliert haben. Die Namensgebung geht auf eine Reihe als Vorlagen dienender Groschenromane zurück, denen als unverkennbare Aufmachung ein gelber Einband diente. Als Begründer der filmischen Ableger gilt Mario Bava („Blutige Seide“), der das spannungsbetonte…

  • The Jacket (USA/GB/D 2005)

    Angesichts der Besetzung erscheint es ein wenig verwunderlich, dass der erste US-Film des Briten John Maybury („Love is the Devil“) nicht in unseren Lichtspielhäusern zu sehen war. Schließlich ist Adrien Brody nach seiner Oscar-prämierten Rolle in „Der Pianist“ und dem aktuellen Blockbuster „King Kong“ in aller Munde und Keira Knightley („Fluch der Karibik“) gehört wohl…

  • American Muscle (USA 2014)

    Quentin Tarantino und Robert Rodriguez haben der Grindhouse-Stilistik mit ihrem Double-Feature „Death Proof“ und „Planet Terror“ zu neuer Popularität verholfen. Aber was heißt Stilistik? Das Bahnhofs-Kino der Neunzehnsiebziger machte die Not (respektive Mini-Budgets) zur Tugend und erzählte handwerklich grob Geschichten, bei denen die Ausschlachtung von Sex und Gewalt im Mittelpunkt stand. Nicht wenige dieser eilig…

  • Gamer (USA 2009)

    Das Duo Neveldine/Taylor hat sich binnen kürzester Zeit zur Marke erhoben. Ihr Debüt „Crank“ definierte eine neue Facette moderner Kino-Ästhetik, die als nie enden wollender Adrenalinrausch Bilder ins Bewusstsein des Publikums feuert. Tabus und Grenzen gibt es für die beiden Filmemacher scheinbar nicht, die politisch unkorrekt zur Attacke auf Popkultur und guten Geschmack blasen. Dass…