Quarantäne 2: Terminal (USA 2011)

quarantine2Die Chance des Remakes besteht in der interpretatorischen Verlagerung von Perspektive und Gewichtung. Bedauerlicherweise wird dies Potenzial im Hollywood-Trend meist Szene für Szene nachgedrehter Filmwerke nur selten ausgeschöpft. Das zeigte sich auch bei „Quarantäne“, der US-Neufassung des pseudo-dokumentarischen spanischen Zombie-Schockers „[Rec•]“. Nachdem dieser bereits ein enttäuschendes, unmittelbar an den Ausklang des Originals anknüpfendes Sequel spendiert bekam, legten nun auch die amerikanischen Produzenten nach.

Allerdings orientiert sich „Quarantäne 2“ nicht an der spanischen Fortsetzung, sondern erweist sich, wie bereits der Untertitel „Terminal“ vermuten lässt, als gänzlich eigenständiges Weiterspinnen. Die individuellen Möglichkeiten, dem Stoff neue Seiten abzugewinnen, werden dadurch nur mehr potenziert. Aber den Machern um Regiedebütant John Pogue, der zuvor Drehbücher zu Filmen wie „Ghost Ship“ verfasst hatte, ist nicht an neuen Impulsen gelegen. Vielmehr verändern sie lediglich den Rahmen und bringen das Thema durch die Überwindung des formal strengen Blickwinkels einer subjektiven Fernsehkamera um den konzeptionellen Wiedererkennungswert.

So entwickelt sich in der klassisch szenischen Präsentationsweise nur ein weiterer typischer Zombie-Thriller, der seine Möglichkeiten mit dem Epidemie-Ausbruch an Bord eines spärlich besetzten Linienflugzeugs zumindest anfangs souverän auszuspielen scheint. Die spannungsfördernde Enge des Fliegers wird aber viel zu schnell überwunden. Nachdem nicht der kränkliche Kopilot als Seuchenherd ausgemacht ist, sondern der dicke Fluggast, wird eine Notlandung eingeleitet, die die verschreckten Passagiere, angeführt von Stewardess Jenny (Mercedes Mason), in eine von bewaffneten Staatsdienern abgeriegelte Flughafenhalle führt.

Statt dokumentarischer Unmittelbarkeit setzt es Katastrophenfilmklischees und den entsprechenden Figurenquerschnitt dramaturgischer Vorhersehbarkeit. Neben Jenny mausern sich der elternlos reisende Bengel George (Mattie Liptak) sowie der Flughafenangestellte Ed (Ignacio Serricchio) zu den Schlüsselprotagonisten. Die Brücke zum Erstling und dem kontaminierten Wohnhaus in L.A. darf der zwielichtige Henry (Josh Cooke) schlagen. Nur wirken die Erklärungsversuche von Weltuntergangssekte und Bio-Terror mehr lachhaft als atmosphärisch.

Natürlich kommt auch das paranoide Moment des Feindes in den eigenen Reihen zum Tragen, wenn die Eingeschlossenen erst Übertragungswege und Verteidigungsmechanismen ausmachen müssen. Aber das standardisierte Nervenzerren bleibt nicht nur kalkuliert, sondern obendrein auch arg vorhersehbar. Hoffnung nährt ein geheimer Fluchttunnel, der Weg dorthin ist von infizierten Fleischfressern und episodisch simplem Figurenschwund geprägt. So bleibt ein hochgradig überflüssiger Aufguss ohne Inspiration oder gelungene Ideen, der das Hintertürchen für eine weitere Fortsetzung aber natürlich weit offen hält. Die Show muss schließlich weitergehen.

Wertung: (3 / 10)

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