Pulse (USA 2006)

pulse-2006Gruseln für Anfänger, heute mit „Pulse“. Am japanischen Ursprung hieß der noch „Kairo“ und sorgte, wie so mancher seiner landsmännischen Genrebrüder, für aufgestellte Nackenhaare und Gänsehaut. Aber die Zeiten ändern sich. Irgendwann überrumpelte sich der sogenannte J-Horror selbst, weil einfach zu viele der aschfahlen langhaarigen Geisterscheinungen ihr Unwesen trieben. Danach war Hollywood an der Reihe, die Reste aufzulesen und den Trend noch einmal durchzukauen. Das funktionierte mal ordentlich („The Ring“), dann auch wieder nicht („Dark Water“). Nach den Remakes der Originale kamen die Sequels der Remakes, die aber keine Remakes der originalen Sequels waren. Glücklich schätzt sich, wer da nicht den Überblick verliert.

Aber es geht auch auf fatale Weise einfacher. Dazu braucht es nur einen Regisseur, der in der Vergangenheit Videoclips gedreht hat und einen Produzenten, der das Potenzial des hippen Visionärs für die große Leinwand zu erkennen glaubt. Im Resultat erinnert das an massenproduzierte Fließbandware für die Discountecke im Mediamarkt, nicht aber an einen Film, der sich die Kinoauswertung tatsächlich verdient hätte. Das stimmt traurig, im Falle von „Pulse“ sogar hochgradig wütend. Am erwähnten Clipregisseur, hier Jim Sonzero, liegt es nicht. Er ist nur das kostengünstige Mittel zum Zweck des schnellen Dollars. Nein, der verdiente Groll trifft Horror-Ikone Wes Craven („Scream“), der bei diesem schlampigen Machwerk als Co-Autor fungierte.

Die Karriere des Altmeisters nimmt allmählich tragische Züge an. Wenn er das Regiezepter überhaupt noch schwingt, kommen nahezu unverdauliche Flickschustereien wie „Cursed“ dabei heraus. Betätigt er sich als Autor, torpediert er das eigene Oeuvre mit Skripten wie dem zu „The Hills have Eyes 2“. Die Essenz des Horrors ist futsch, geblieben ist das Streben nach der Sicherung des Rentenalters. Schön für Craven, weniger schön für das Publikum. Zumal „Pulse“ in seinem eklatanten Mangel an Logik schier Maßstäbe setzt. Das Ziel geisterhafter Attacken ist (vorerst) eine Universität. Josh (Jonathan Tucker, „Hostage“) schleicht verängstigt über den Campus und wird in der Bibliothek von einer unheimlichen Gestalt attackiert, die seinem Körper die Energie entzieht. Das aber will filmisch überhaupt nicht funktionieren, weil Sonzero im Vorfeld bereits allerorten grelle Schemen, tumbe Bibliothekare und aus Regalen fliegende Bücher auftischt.

Nachdem sich Josh das Leben genommen hat, ist es an seiner Freundin Mattie (Kristen Bell, „Spartan“) den unheimlichen Geschehnissen auf den Grund zu gehen. Während sich ihr Freundeskreis – der Kategorie verzichtbare Randfiguren – zunehmend reduziert, stößt sie mit Zufallsbekanntschaft Dexter (Ian Somerhalder, „Lost“) auf Mysteriöses: Den Kommunikationsnetzen entsteigen nämlich Geister mit Appetit auf menschlichen Lebenswillen. Aber warum eigentlich? Die dankbar kurzen, mehr eilig abgehandelten 84 Minuten Laufzeit werden mit kurzen Episoden überfüttert, bis der Sinn erschreckt das Weite sucht. Zusammen passt das alles nicht, aber immerhin fügen sich dämliche Dialoge und nichtige Charakterzeichnung ins konsequent inkompetente Gesamtbild.

Optisch bewegt sich der krude Mummenschanz auf Höhe der Zeit, wenn sich die Computereffekte auch nachhaltig kaum über B-Niveau bewegen. Dafür ist beim Erzähltempo Hetze angesagt, was angesichts grassierender Langatmigkeit umso saurer aufstößt. Gegen Ende kommt ein Weltuntergangsszenario hinzu, das Potenzial besessen hätte, in seiner absolut fahrlässigen Auswertung aber kaum mehr ist als pseudoatmosphärisches Ornament einer gänzlich gescheiterten Spannungsbremse. Brauchbare Schocks sind Mangelware, weil die Inszenierung nur den Buckel der stilisierten Vorreiter runterrutscht. Der Plot ist ein einziges Loch, an dessen ausgefranstem Rand sich offene Fragen türmen. Ein dickes Fell ist in diesem Genre ohnehin vonnöten, „Pulse“ aber ist geradezu prädestiniert für die Referenz des schlechten Beispiels – und läuft „FearDotCom“ in dieser Hinsicht geradewegs den Rang ab.

Wertung: (3 / 10)

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