Propagandhi – At Peace (2025, Epitaph Records)

Eine Band mit Fokus auf die großen Hymnen waren PROPAGANDHI nie. Geschaffen haben die Kanadier trotzdem einige. Gerade in ihren frühen Jahren. Im Laufe der Zeit wurden die musikalischen Strukturen komplexer – und teils deutlich metallischer. Auf „At Peace“, Album Nummer acht, erreicht die relative Sperrigkeit der Hardcore-Punks (u. a. verdeutlicht durch den 2012er-Langspieler „Failed States“) neue Höhen. Getragen wird sie durch harten Rock mit klassischer Note – und Prog-Anflügen, die gleich das Eröffnungsstück „Guiding Lights“ (oder auch „Stargazing“ und „Benito’s Earlier Work“) auszeichnen. Insgesamt scheint es dem Vierer vor allem um Wucht und Wirkung zu gehen.

Teil dieser Rezeptur sind wie immer die klugen Texte, deren politischer Diskurs hier aber vermehrt introspektiv geführt wird. Hinzu kommt eine melancholische Ader, die vorrangig den von Bassist (und früherem Brachial-Vokalisten) Todd Kowalski gesungenen „No Longer Young“ und „God of Avarice“ innewohnt. Unverzüglich zündende Hits sucht man auf „At Peace“ vergeblich. Die Platte braucht Zeit, belohnt die Geduld aber mit einem üppigen Entdeckungsspielraum, der nicht nur den Titeltrack, „Cat Guy“ oder „Vampires are Real“ zum nachhaltigen Erlebnis macht. An wütende Klassiker wie „Today‘s Empires, Tomorrow‘s Ashes“ (2001) reichen PROPAGANDHI damit nicht heran. Ihre Fans dürften ob der Vielschichtigkeit von Musik und Denkanstößen trotzdem gepackt werden.

Wertung: 7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

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