Prinzessin Mononoke (J 1997)

prinzessin-mononokeEs gibt Filme, denen hierzulande völlig unberechtigt fast keinerlei Beachtung geschenkt wird und die meist nach nur wenigen Wochen wieder aus den Lichtspielhäusern verschwunden sind. Die Gründe dafür sind vorwiegend immense Kosten für die Synchronisation und die Herstellung nur weniger Kopien. Beste Beispiele dieser Risikoscheue der Verleiher sind Wes Andersons intelligente Kult-Komödie „Rushmore”, die nach etlichen Startverschiebungen nie wirklich ins Kino kam und Hayao Miyazakis Anime-Kleinod „Prinzessin Mononoke”.

Obwohl die Bezeichnung „Kleinod” höchstens für den europäischen Raum Gültigkeit erlangt, da es sich bei dem bereits 1997 entstandenen Zeichentrick-Meisterwerk um den ehemals erfolgreichsten Film Japans aller Zeiten handelt. Ehemals, weil Kult-Regisseur Miyazaki den landeseigenen Rekord im vergangenen Jahr mit seinem bislang letzten Trickfilm-Streich „Spirited Away” wieder einstellte. Bereits 1998 wurde „Prinzessin Mononoke” im Rahmen der Berlinale erstmals deutschen Journalisten vorgestellt, der Regisseur eigens für Interviews eingeflogen. Vom Verleih Buena Vista hochgelobt, passierte im Anschluss allerdings herzlich wenig. Mit dreijähriger Verspätung startete der Film im April 2001 schließlich doch noch in Deutschland, verschwand aber schon kurz darauf endgültig in der Versenkung. Jetzt, wieder ein Jahr später, erreicht „Prinzessin Mononoke”, vier Jahre nach seiner Entstehung, nun endlich die heimischen Videotheken.

Mit einem Budget von rund 30 Millionen Dollar inszeniert und von einem rund 200-köpfigen Team auf die Leinwand gebracht, erzählt das faszinierende Fantasy-Epos die Geschichte des edlen Ashitaka, der aufgrund eines tödlichen Fluches gezwungen ist, sein Heimatdorf zu verlassen, um in der Ferne sein Schicksal zu erfüllen. Im Zuge seiner Reise gerät er in die Wirren des Kampfes der Herrin Eboshi gegen die Kräfte der Natur. Die Herrscherin einer Eisenhütte will zwecks Industrialisierung den anliegenden Wald roden und den dort ansässigen Waldgott töten, da dessen Blut ewiges Leben verleihen soll. Das Wolfsmädchen San und ihre Ziehfamilie stehen diesen Plänen im Wege. Ashitaka versucht zwischen den verhärteten Fronten zu vermitteln, kann die drohende Eskalation aber nicht mehr abwenden.

Mit viel Liebe zum Detail bildet „Prinzessin Mononoke” einen phantastischen, grandios bebilderten Mix aus Sage, Mythos und Märchen, obendrein gebettet in eine kluge Geschichte. Darüber hinaus ist Hayao Miyazakis Film eine eindringliche Parabel auf den unauslöschlichen Drang des Menschen, aus Habgier sich und seine Umwelt zu zerstören. Ein grandioses Meisterwerk, ein fesselndes Epos über knapp 130 Minuten, dessen einziges Manko das etwas versöhnliche Ende darstellt. So unterstreicht „Prinzessin Mononoke” einmal mehr die schöpferische Brillanz der asiatischen Trickfilmkunst. Daher darf die Tauglichkeit des Films für Kinder auch stark bezweifelt werden. Zwar fehlt dem Werk der bisweilen typische und manchmal auch stilbildende Umgang mit Gewalt, doch abgetrennte Gliedmaßen und wüste Schlachtszenarien entsprechen auch diesmal kaum kindgerechter Unterhaltung.

Wertung: (9 / 10)

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