Pridebowl – Tired (2004/2019, Freedumb Recordz/People of Punk Rock Records)

Lange war Aaron Goulding der amerikanische Sänger einer schwedischen Band. Nur war PRIDEBOWL nicht einfach irgendeine Schüler-Combo, sondern ein Aushängeschild des europäischen Punk-Sounds der 1990er. Über das Gewicht von MILLENCOLIN, NO FUN AT ALL oder den SATANIC SURFERS verfügte der 1998 aufgelöste Fünfer zwar nicht, ihre Musik vereinte trotzdem Fans rund um den Globus. 2003 reanimierte Goulding die Marke PRIDEBOWL in den USA. Bereits im Folgejahr mündete die Auferstehung in eine erste Studioveröffentlichung mit neuem Material: die „Tired“-EP.

Nun darf der Titel durchaus als kontraproduktives Signal aufgefasst werden. Gerade wiedererwacht und schon müde? Tatsächlich passt das ein wenig zur Wirkung der sechs regulären Tracks, die bei der Wiederveröffentlichung zum 15-jährigen Jubiläum um die beiden Bonus-Beiträge „Daily Parade“ und „Open Wide“ ergänzt wurden. Dabei nimmt der Opener „Watch Out“ durch variables Tempo, mehrstimmige Gesangsparts und Einflüsse von Rock und Hardcore zunächst für sich ein. Mit fast vier Minuten ist die Nummer dabei allerdings etwas lang geraten. Das gleichen PRIDEBOWL aber durch den Einminüter „Every Goddamn Day“ nach hinten raus wieder aus.

Gut ins Ohr dringen auch das schnörkellose „Tomorrow’s Too Far“ und das mit Wummer-Bass gegen alles stänkernde „F.T.W.“. Ungeachtet guter Momente (oder einzelner Songs) knüpft die EP aber nicht an das Hit-Potenzial der Schweden-Ära von PRIDEBOWL heran. Das bedeutet natürlich nicht, dass die ersten Aufnahmen des neuen Jahrtausends durchweg schwach geraten wären; eine Ausnahme markiert das Cover von Kris Kristoffersons „Sunday Morning Coming Down“, das in der ursprünglichen Version als Hidden Track gereicht wurde. Aber in Summe lassen Goulding und seine damals neu angeheuerte Instrumentalfraktion die Prägnanz vermissen, mit der u. a. „Where You Put Your Trust“ (1997) die Gehörgänge durchgeschüttelt hat. Spaß machen kann „Tired“ natürlich trotzdem – zusätzlich befeuert durch das schon damals respektable Nostalgie-Feeling.     

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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