Preacher – Der Haschpapst (NL 2004)

preacher-der-haschpapst„Loyalität gibt es nicht, nur Geld zählt.“

Gängige Klischees über unsere niederländischen Nachbarn umspannen Frau Antje, Wohnwagen und den liberalisierten Umgang mit weichen Drogen. Aus einer Ära, als die Legalisierung von letzterem noch in weiter Ferne lag, erzählt Gerrard Verhages „Preacher – Der Haschpapst“. Inspiriert durch die wahre Geschichte des Drogenbarons Klaas Bruinsma, illustriert im Buch „De Dominee“ von Bart Middelburg, umschreibt das Milieu-Drama Aufstieg und Fall eines Großdealers. Im Film trägt der den Namen Klaas Donkers, glaubwürdig gespielt wird er von Peter Paul Muller („Auge um Auge“). Zusammen mit seinem Freund Adri (Frank Lammers, „Hush Hush Baby“) beginnt er im Holland der mittleren Siebziger eine Laufbahn als Haschisch-Kurier. Binnen weniger Jahre steigt er zu einer Größe des organisierten Verbrechens auf. Doch mit wachsender Macht nimmt auch die Zahl seiner Feinde zu. Der Untergang von Klaas Imperium scheint nur eine Frage der Zeit.

Regisseur und Co-Autor Verhage („Once Beaten, Twice Shy“) kennt seine amerikanischen Vorbilder und bedient sich offen der Erzählweise von „Scarface“ bis „GoodFellas“. „Preacher – Der Haschpapst“ folgt gängigen Genremustern und teilt seine nüchterne wie präzise Betrachtung mit den Werken DePalmas und Scorseses. Der Film beginnt mit der Ermordung Donkers im Jahre 1991 und blickt anschließend zurück auf die Wurzeln einer Karriere als Verbrecher. Neu ist das sicher nicht, doch entgegen seines irreführend schundigen Titels ist das Thriller-Drama ein sehenswerter Beitrag zum europäischen Gangsterfilm. Action bleibt erfreulicherweise rar gesät und mit Vorsicht eingesetzt. Das Prinzip von Klaas basiert auf Gewaltlosigkeit und dem Verzicht auf Handel mit harten Drogen. Während der zweite Punkt konsequent umgesetzt wird, fällt die Politik der weichen Hand zunehmend den Gegebenheiten des Marktes zum Opfer.

Den authentischen Anstrich zieht „Preacher“ aus den Leistungen der Akteure. Hauptdarsteller Peter Paul Muller überzeugt als charismatische Mischung aus Christopher Lambert und Thomas Jane. Die Frau an seiner Seite ist Chantal Janzen („Deuce Bigelow – European Gigolo“). Sie füllt weniger den Part der außerhalb des Geschäfts stehenden Vorzeigegemahlin aus, sondern macht mit Vorliebe ihren Einfluss auf die kriminellen Aktivitäten geltend. In der Rolle von Klaas Vater tritt Huub Stapel („Verfluchtes Amsterdam“) in Erscheinung, Hollands Kino-Star der achtziger Jahre. Stimmiges Zeitkolorit und die gute Umsetzung machen das Drama um Freundschaft, Verbrechen und Verrat zu einem gelungenen Film. Der will in erster Linie unterhalten, was dramaturgische Vorhersehbarkeiten unvermeidbar macht. Mit gleicher Besetzung realisierte Gerrard Verhage im vergangenen Jahr eine TV-Serie, ebenfalls unter dem Originaltitel „De Dominee“. Das Kapitel Klaas Bruinsma ist demnach noch nicht geschlossen.

Wertung: (6 / 10)

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