Powder Blue (USA 2008)

powder-blueEs war Patrick Swayzes letzter Kinofilm – und ein weiterer Beweis für die Rollenvielfalt, der er sich im Independent-Segment hingab. Im Ensemble-Drama „Powder Blue“ spielt der im September 2009 verstorbene „Dirty Dancing“-Star einen Möchtegernzuhälter mit Schminke und Perücke. Ein kleine Rolle zwar, aber eine, wie auch in „Donnie Darko“ oder „11:14“, die von seiner Abneigung gegen Konventionen und Hollywood-Pomp zeugt. Prominent besetzt ist der Film auch in den übrigen Rollen. Nur mangelt es der episodischen Schicksalsverkettung an inhaltlicher Geschlossenheit.

In den Tagen vor dem Weihnachtsfest kreuzen sich die Wege verzweifelter Individuen: Da ist der kürzlich aus dem Knast entlassene Jack Doheny (Ray Liotta, „Identität“), dem aufgrund einer schweren Krankheit nur noch wenig Zeit bleibt. Die, wie auch sein Geld, investiert er in Stripperin Rose (Jessica Biel, „The Illusionist“), deren Sohn im Koma liegt. Ihr entlaufener Hund wurde vom überschuldeten Bestattungsunternehmer Qwerty Doolittle (Eddie Redmayne, „Der gute Hirte“) angefahren. An den wendet sich der lebensmüde Ex-Priester Charlie (Forest Whitaker, „Der letzte König von Schottland“), der für seine gesamte Barschaft erschossen werden will.

Um diese Figurenkonstellation kreist Autor und Regisseur Timothy Linh Bui („Green Dragon“), ohne einen einheitlichen emotionalen Tenor zu finden. Im Gesamtbild mag der Film Eindruck schinden, durch die deprimierende Grundstimmung und das entgegen vereinzelter Abstriche spielstarke Ensemble. Kitschige Ausrutscher begleiten aber vor allem die Episode um den todessehnsüchtigen Charlie, dessen Odyssee zu Selbstheilung und Erlösung mit religiösen Motiven und zu kalkuliert auf die Tränendrüse drückenden Verzweiflungsgesten aufgeheizt wird.

Auch das Auskommen verwandtschaftlicher Bande zwischen Jack und Rose, offenbar als finale Überraschung angedacht, entblättert sich, wie die Biel übrigens selbst, viel zu früh. Diese Makel wiegen schwer, lassen „Powder Blue“ aber nicht scheitern. Denn dafür verfügt das in nächtlicher Tristesse geschwenkte Drama einfach über zu viel Potential – und nicht zuletzt eine Fülle ergreifender Szenen. Der sehenswerte Cast, zu dem in Nebenrollen auch Kris Kristofferson („Fast Food Nation“) und „Friends“-Star Lisa Kudrow stoßen – spielt redlich gegen banale Einbrüche an. Ein Film mit Höhen und Tiefen also, der packt, sofern man über die Unzulänglichkeiten hinwegzusehen vermag.

Wertung: (6 / 10)

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