Postal (CAN/USA/D 2007)

postal„Was ist der Unterschied zwischen einer Ente?“ – während des Bewerbungsgesprächs

Kritiken zu den Filmen von Uwe Boll wollen als Warnung verstanden werden. Der Wermelskirchener Hollywood-Export hat sich auf Verfilmungen populärer Videospiele spezialisiert. Dass die mit der Vorlage meist nur den Namen teilen, geht noch als clevere Verkaufsstrategie durch. Doch die Boll-Werke lassen das handwerkliche Geschick vermissen, über das sich inhaltliche Schmalkost mit Kurzweil schmücken ließe. Nun hat es „Postal“ erwischt, jenes satirisch angelegte Kleinstadtgemetzel, das in Deutschland auf dem Index landete. Harter Stoff also, den Boll zu einem Rundumschlag gegen Politik, Religion und Kleinbürgerlichkeit nutzt.

Auch diesmal ist das Scheitern vorprogrammiert. Nicht durch Vorurteile des Betrachters, sondern durch die Attitüde des Urhebers, diese Ignoranz, die ihn in der Selbstdarstellung zum verkannten Genie aufbauscht Warum nicht einfach: „Mein Name ist Uwe Boll, ich mache schlechte Filme. Lebt damit!“ So könnte ihm die Meinung anderer tatsächlich schnurz sein. Die gescholtene Künstlerseele aber sieht das anders. Sie fühlt sich missverstanden. Aus dieser Sicht resultiert eine Beharrlichkeit, die sich vor jeder Art von Kritik verschließt. Aber kann es Zufall sein, dass Boll als gegenwärtig schlechtester Regisseur der Welt gehandelt wird?

Um es bereits vorauszuschicken, „Postal“ ist nicht sein ärgster Film. Formal ist er gar vergleichsweise gelungen. In einer schier endlos episodischen Verkettung von Tabubrüchen und Geschmacklosigkeiten aber erschöpft sich das humoristische Potential rasch. Der Plot ist derart verbissen auf politische Unkorrektheit geeicht, das er sich in fast hysterischer Zügellosigkeit auf alles stürzt, was Anstoß erregen könnte. Bolls Bühne ist Paradise, eine fiktive US-Provinzstadt, in der Trailer Park-Taugenichts Dude (Zack Ward, „Bloodrayne 2“) zum Helden wider Willen aufsteigt. Dafür muss er es nur mit Terroristen und einer apokalyptischen Sekte aufnehmen.

Das Spiel mit sinnloser Gewalt und moralischen Tiefschlägen verkommt zu einer bemüht zügellosen Grimasse, der es neben Witz vor allem an Ideen mangelt. Ob der sichtbar durchs Bild geschwenkte Penis von Sektenführer Onkel Dave (Dave Foley, „Brain Candy“), Osama Bin Ladens (Larry Thomas) innige Freundschaft zu George W. Bush (Brent Mendenhall) oder der von Affen vergewaltigte kleinwüchsige Schauspieler Verne Troyer („Austin Powers“) die Gemüter erhitzen, bleibt dabei schlicht ohne Belang. Der Setzkasten zeitgeschichtlicher Groteske – in den auch Ralf Möller („FarCry”), Michael Paré („Seed”) und J.K. Simmons („Spider-Man”), verfügt einfach nicht über den Intellekt, um die schalen Zoten aus der Beliebigkeit bloßer Provokation heraus zu manövrieren.

Boll selbst absolviert einen Kurzauftritt in eigener Sache und verkündet in bajuwarischer Tracht, dass seine Filme mit jüdischem Zahngold finanziert würden. Dieser Versuch, durch Selbstgeißelung Unantastbarkeit zu erlangen, wirkt mehr wie eine Verzweiflungstat. Den Kritikern soll der Wind aus den Segeln genommen werden. Aber wie könnte er das? Schön, dem deutschen Filmemacher ist nichts und niemand heilig. Er nimmt das Hitlerregime aufs Korn, die Anschläge vom 11. September 2001, diverse Minderheiten und lässt (huch) reihenweise Kinder töten. Dem Spiel kommt er damit nahe. Nur Spaß bringt es (fast) keinen. Und vor allem nicht mehr als leidlich unterhaltsamen Trash.

Wertung: (3 / 10)

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