Possession – Das Dunkle in dir (USA 2012)

possessionraimi„She’s still hungry.“ – Nicht allein im eigenen Körper: Emily

Die Besessenheit durch dunkle Mächte ist seit dem Klassiker „Der Exorzist“ (1973) integraler Bestandteil des Horrorkinos. Doch auch wenn die erzählerische Formel von körperlicher Heimsuchung und Austreibung kaum variabel scheint, erfreut sich das Thema noch immer einiger Beliebtheit. Das beweisen auch Produzent Sam Raimi („Tanz der Teufel“) und Regisseur Ole Bornedal („Nachtwache“), die mit „Possession“ wirkungsvoll auf der Klaviatur des Schreckens klimpern und für wohlige Gänsehautmomente sorgen. Inhaltlich gibt es dabei allerdings keine Überraschungen zu vermelden.

Der geschiedene Basketballtrainer Clyde (Jeffrey Dean Morgan, „Watchmen“) ersteht für seine jüngste Tochter Emily (Natasha Calis, „The Firm“) bei einem Garagentrödel eine alte Holzbox. Dass diese garantierter Auslöser für unheimliche Begebenheiten ist, macht der Auftakt mit geisterhafter Stimme und bedauernswert durchs Zimmer geschleudertem Opfer unmissverständlich klar. Bald verhält sich auch Emily zunehmend merkwürdig, was Clyde und Ex-Frau Stephanie (Kyra Sedgwick, „The Closer“) aber anfänglich ihrer Trennung zuschreiben.

Was niemand ahnt: Ein Dibbuk – im jüdischen Glauben die Bezeichnung eines bösen Totengeistes – hat von Emily Besitz ergriffen und droht sie aus dem eigenen Körper zu verdrängen. Clyde kommt dem übernatürlichen Bösen als erster auf die Schliche, als er dessen hölzernen Hort entsorgen will. Das allerdings weiß die wie ausgewechselte Emily mit dem Vorwurf väterlicher Misshandlung zu kontern, was für ihn in die Entziehung des Sorgerechts mündet. Doch Clyde steckt nicht auf und rückt dem Dibbuk mit Hilfe von Rabbiner-Sohn Tzadok (Musiker Matisyahu) zuleibe.

Die auf großspurige visuelle Tricks weitgehend verzichtende Inszenierung Bornedals hält „Possession“ auf Kurs. Während Morgan und Sedgwick dabei souverän die bürgerlichen Abziehbilder mimen, entpuppt sich die junge Natasha Calis als größter Trumpf des Films. Sie verleiht der geplagten Emily mehr Ausdruckskraft und bedrohliches Potenzial, als der standardisierte Horror-Thriller eigentlich benötigt hätte. Zwar entspricht das Ende wieder nur dem Einmaleins der Dämonen-Austreibung und die jüdische Verwurzelung wird bestenfalls oberflächlich gestreift, im Gegensatz zum ebenfalls auf einen Dibbuk setzenden „The Unborn“ (2009) stimmen hier aber immerhin Schock- und Spannungsmomente.

Wertung: (6 / 10)

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