Pontypool – Radio Zombie (CDN 2008)

pontypool„It’s not the end of the world, it’s just the end of the day.“ – Grant Mazzy

Die Vorboten der Apokalypse sind da. Herein brechen sie, wie so häufig, über die Provinz, die sich im Mystery-/Psycho-Thriller „Pontypool“ im verschneiten Kanada findet. Dort hat der abgeschobene Radiomoderator Grant Mazzy (mit Feuereifer: Stephen McHattie, „Watchmen“) sein Revier und provoziert die Hörerschaft als eloquentes Raubein mit doppelbödigen Kommentaren. Nur sie und der Schnaps im Morgenkaffee versüßen ihm den Karriereknick. Sehr zum Leidwesen von Redakteurin Sydney (Lisa Houle), die ihn mit Praktikantin Laurel-Ann (Georgina Reilly) außerhalb der Sprecherkabine unterstützt.

Als der Außenreporter des kleinen Senders einen Zwischenfall meldet, bei dem ein Menschenauflauf die Praxis des Arztes Mendez (Hrant Alianak) attackiert, häufen sich Berichte über Unruhen und militärisches Eingreifen. Den daraus resultierenden Ausnahmezustand illustriert Bruce McDonald („The Tracey Fragments“) auf Basis eines Kammerspiels, bei dem sich Mazzy mit den beiden Frauen – und später auch Mendez – der Ursache des unheimlichen Phänomens nähert. Das ist, selbst wenn der deutsche Untertitel „Radio Zombie“ anderes suggeriert, weit abseits der üblichen Untoten-Invasion verankert. Gerade diese Abkehr jedoch birgt ihre Tücken.

Ein Strudel der Gewalt bricht über die Region herein. Die eilig verhängte Ausgangssperre kann die Ausbreitung eines mysteriösen Erregers nicht stoppen. Der, so scheint es, überträgt sich durch die englische Sprache, bestimmte Schlüsselworte, die in den Gehirnen der Infizierten verstörende Reaktionen hervorrufen. Katatonisch wiederholen sie einzelne Worte… Worte… Worte… und fallen, ebenso auf Sprechlaute reagierend, über die noch Ungeschorenen her. Als die Kirche, deren Untergeschoss den Radiosender beherbergt, von Horden wirr plappernder Menschen angegangen wird und sich auch Laurel-Ann beginnt sonderbar zu verhalten, folgt für Mazzy und Sydney der Kampf ums nackte Überleben.

Aber auch der bewegt sich nicht in den einschlägigen Bahnen von Romero & Co., sprich mündet nicht in Gewaltschocks und blutbesudelte Gegenwehr. So löblich die Abkehr von Genreklischees auch erscheint, die Idee einer sprachlich begründeten Pandemie wirkt doch reichlich krude. Zudem mutet „Pontypool“ in seiner formalen Reduktion wie eine Kompromisslösung an, als wäre einfach kein Budget für eine visuell stärkere Ausformulierung der Gefahr vorhanden gewesen. Unbehaglich ist der bereits McHatties Performance wegen sehenswerte Horrorfilm durchaus geraten. Nur kann die starke erste Hälfte den folgenden Abfall (inklusive einer überflüssigen Sequenz nach dem Abspann) nicht egalisieren. Eigen und durchaus beachtlich, aber eben nicht vollends ausgereift.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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