Poison the Well – Versions (2007, Ferret Records)

poison-the-well-versionsBeinahe im Handstreich erfinden sich POISON THE WELL neu. Vorbei sind die Tage des melodisch melancholischen Hardcore mit Emo-Touch. Mit ihrem vierten Album „Versions“ sind die Jungs aus Florida endgültig in der Eigenständigkeit angekommen. Nun kann wahrlich niemand mehr behaupten: „Hey, die klingen doch wie…“ – denn POISON THE WELL klingen nur noch wie POISON THE WELL. Die Scheibe wirkt wie das Ende einer langen Reise, ein Selbstfindungstrip als Schlüsselerlebnis. Aus dem wächst Erkenntnis. Keine Weisheit, das wäre vermessen. Und es würde der Band ihre Zerrissenheit rauben.

Der Emo-Anteil wurde komplett gestrichen. „Versions“ bürstet die Qualität früherer Veröffentlichungen gegen den Strich. Heraus kommt ein so herrlich unangepasstes Hardcore-Album, dass es trotz aller Beklemmung eine wahre Freude ist. In einem infernalischen Seelenstriptease werden Tempo und Härte so variiert, dass sich das melodische Grundgerüst unübersichtlich gestaltet. Die Songs sind nicht vertrackt, aber verwoben. Die prägenden Refrains aus „Tears From the Red“-Zeiten sind passé. An ihnen lassen sich keine Höhepunkte mehr festmachen.

Bei allem Verzicht auf Screamo-Einerlei geht es dennoch herzergreifend zu. Wenn die Stimme in angespanntes Säuseln verfällt, wenn in bester Chino Marino-Manier Verzweiflung über die Stücke gestreut wird, dann lässt „Versions“ wahrlich niemanden kalt. Natürlich ist das durchaus gewöhnungsbedürftig, dessen ungeachtet aber nicht weniger fesselnd. POISON THE WELL haben alles richtig gemacht und einen explosiven Cocktail aus Wut, Unbehagen und Trauer gemixt. Dass sie sich dabei auch noch musikalisch vielschichtig präsentieren, verleiht ihnen den nötigen Anspruch.

Wertung: (8 / 10)

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