Poison the Well – The Tropic Riot (2009, Ferret Records)

poison-the-well-the-tropic-riotÜber die Jahre haben POISON THE WELL dem modernen Hardcore einen Stempel aufgedrückt, der durchaus als wegweisend zu bezeichnen ist. Stillstand gab und gibt es für die Band aus Miami nicht, die zwischenzeitlich zum Trio schrumpfte und 2007, in einer Phase akuter Auflösungsgerüchte, „Versions“ auf die Menschheit entließ. Der Drang zur Veränderung, zur konsequenten Weiterentwicklung, haftete ihnen stetig an. Doch der mit dem Wechsel zu Ferret einhergehende Wandel durfte in dieser Form kaum erwartet werden. Nach längerer Pause wurde es unerhört progressiv, zunehmend disharmonisch und experimentell. Gewöhnungsbedürftig zwar, dafür aber immer spannend.

Gleiches gilt auch für den Nachfolger „The Tropic Riot“, auf dem Jeffrey Moreira noch intensiver zwischen Gesang und Geschrei tendiert, während der weiterhin beharrlich ausgefeilte Post-Hardcore mit erstaunlicher Verspieltheit aufwartet. Die Kontraste zwischen Melodie und Ausbruch wirken schärfer, wenn die meisten Songs auch unverhofft leicht ins Ohr gehen. Eine gewisse Sperrigkeit haben sich POISON THE WELL bewahrt, ohne die aber wäre ihnen ein wesentliches Merkmal abhanden gekommen. Und so wird auch diesmal wieder geknüppelt und gebrüllt, mit Inbrunst, der Verzweiflung nahe. Nur der musikalische Grund, einmal gar durch südländisch angehauchte Gitarren umspielt, erweist sich wiederum als vielschichtiger. An der Ausnahmeklasse der Band besteht jedenfalls auch nach dem nunmehr fünften Album kein Zweifel.

Wertung: (8 / 10)

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