Planet der Affen: Prevolution (USA 2011)

planet-der-affen-prevolution„Take your stinking paws off me you damn dirty ape!“ – Am berühmten, einst von Charlton Heston gesprochenen Satz, kommt auch diese Variation des Themas nicht vorbei

Die Zweifel waren begründet. Als verlautet wurde, Tim Burtons misslungenes „Planet der Affen“-Remake würde ein Prequel spendiert bekommen, hielt sich die Begeisterung bei Fans und Kritikern in Grenzen. Unerreicht bleibt die erste Verfilmung des klassischen Science-Fiction-Stoffes (basierend auf einem Roman von Pierre Boulle), in der Raumfahrer Heston auf einem von sprechenden Primaten dominierten Planeten strandet und mit Schrecken erkennen muss, dass es sich um die verwüstete Erde einer unbestimmten Zukunft handelt. Es folgten vier Fortsetzungen sowie eine TV-Serie und Trickfilmreihe. Die Vorgeschichte der Affenherrschaft wurde durch rückgewandte Zeitreise und Rebellion bereits in „Flucht vom Planet der Affen“ und „Eroberung vom Planet der Affen“ erläutert.

Das Autorengespann Rick Jaffa und Amanda Silver („Das Relikt“) kreierte eine eigene Variante und steigert die Intelligenz der Affen durch die Überheblichkeit der modernen Wissenschaft. So steht der schrittweisen Übernahme des Planeten lediglich der Mensch im Wege, der sich nicht länger mit Atomwaffen um die Krone der Schöpfung bringt, sondern durch ein tödliches Virus. All das verpackt Regisseur Rupert Wyatt („The Escapist“) in ein partiell mitreißendes, bedauerlicherweise aber überzogen klischeehaftes Drama um Freundschaft (zwischen Mensch und Affe), unbedingten Fortschrittswillen und die aufziehende Dämmerung der Menschheit. Hervorzuheben ist dabei vor allem die Tricktechnik. Waren es früher aufwendige Masken, entstehen die Affen heute am Computer. Wenn auch nicht frei von schauspielerischer Beteiligung.

Die Darstellung des mit menschlicher Intelligenz ausgestatteten Schimpansen Caesar bringt einmal mehr Andy Serkis auf den Plan, der bereits den CGI-Figuren Gollum und King Kong als Vorlage gedient hatte. Dank des Motion Capture-Verfahrens, bei dem spezielle am Körper befestigte Sensoren jede Bewegung – hier sogar einschließlich mimischer Regungen – in ein Computerbild umwandeln, wird der Darsteller verblüffend realistisch zum Affen. Ausschlag gibt die Alzheimer-Erkrankung von Charles Rodman (John Lithgow, „Kinsey“), die in seinem Sohn, dem jungen Wissenschaftler Will (James Franco, „127 Hours“) den Drang forciert, ein Heilmittel zu finden. Ein von ihm entwickeltes Medikament wird erfolgreich an Schimpansen getestet. Die einleitende Jagd auf die Primaten darf durchaus als inhaltlich verdrehte Hommage an das ’68er Original verstanden werden.

Nach einem folgenschweren Missverständnis werden die Forschungsgelder gestrichen und die Versuchstiere eingeschläfert. Einzig ein unbemerktes und durch die Behandlung des Muttertieres in der Genetik verändertes Affenbaby, von Charles Caesar genannt, überlebt und wird von Will im eigenen Heim großgezogen. Als sich der Zustand des Vaters zusehends verschlechtert, testet der verzweifelte Sohn das Mittel an ihm. Mit anfangs erstaunlicher, später jedoch abrupt aussetzender Wirkung. Dies Scheitern der Forschung legt in der unachtsam vorangetriebenen Modifikation der Formel durch Wills Arbeitgeber den Grundstein für das Ende der menschlichen Überlegenheit. Denn die fatalen Nebenwirkungen des Präparats auf den Menschen werden aus Profitgier übersehen.

Der mittlerweile ausgewachsene und mit seiner Rolle als Haustier hadernde Caesar wird derweil als Gefahr für die Allgemeinheit eingestuft und entgegen aller Bemühungen Wills eingesperrt. Misshandelt und erniedrigt, plant der menschlich denkende und bald auch erste Worte sprechende Affe den Ausbruch und wird zum Mentor seiner geschundenen Artgenossen. Der daraus resultierende Aufstand der Affen ist durchaus spannend erzählt und technisch imposant umgesetzt. Allerdings bringen Logiklöcher und die Heraufbeschwörung plumper Gut-Böse-Schemata den Film um seine Klasse. Auch die klischeehaften Nebenfiguren sind überflüssig (Freida Pinto, „Slumdog Millionär“) und/oder fahrlässig stereotyp („Harry Potter“-Fiesling Tom Felton). Die komplizierte deutsche Betitelung „Planet der Affen: Prevolution“ (OT: „Rise of the Planet of the Apes“) ist da nur eine von vielen verpassten Chancen.

Wertung: (6 / 10)

scroll to top