Piggy Banks (USA 2005)

piggy-banksIndependent-Filme haben es schwer. Kaum Budget, meist keine tragenden Namen und dann muss das Publikumsinteresse (oft genug) auch noch über unsinnige Vergleiche geweckt werden. Wie bei „Piggy Banks“, der von amerikanischen Verleihern mit Oliver Stones „Natural Born Killers“ in einen Topf geworfen und gleich noch unter dem Titel „Born Killers“ ausgewertet wurde. Regisseur Morgan J. Freeman („Desert Blue“) aber verfolgt ein anderes Ziel. Das führt zwar auch über Serienkiller in menschliche Abgründe, lotet diese jedoch über die Form eines bedächtigen Psycho-Dramas aus.

Dabei zeigt sich abermals, dass das Profil eines Kindes maßgeblich durch das Elternhaus geprägt wird. Hier sind es gleich zwei, die Brüder Michael (Gabriel Mann, „Die Bourne Verschwörung“) und John Vanderslip (Jake Muxworthy, „Borderland“), deren Mutter stirbt, als sie gerade neun Jahre alt sind. Fortan übernimmt der nahezu unbekannte Vater (Tom Sizemore, „Strange Days“) die Erziehung. Wenn er denn mal da ist. Von ihm lernen sie die wichtigste Lektion ihres Lebens: Menschen sind wie Sparschweine. Wenn du Geld brauchst, knack einfach eines auf.

Die Lehren des Erzeugers beherzigend, reisen die Brüder später durch Amerika, nehmen sich was sie brauchen und töten, wer ihnen und ihrer Anonymität im Wege steht. Michael kostet diesen Lebensstil sichtlich aus, mordet gar aus Vergnügen. John hingegen ist verschlossener, nachdenklicher. Aus dem Off kommentiert er ihren Weg, mehr noch die Rückblenden, die den Vater und seine Schule des Lebens offenbaren. Weil zwei Killer aber auch hier einer zu viel sind, erschießt John seinen Bruder präventiv und begibt sich, als er von einer Stiefschwester namens Gertie (Lauren German, „Hostel 2“) erfährt, auf die Suche nach ihr.

Freeman teilt den Film in zwei Hälften ein. Die erste beschreibt das Wesen der Vanderslips, ihr von jeden Skrupeln befreites Vorgehen und wie sie wurden, was sie sind. Dabei portraitiert sie Freeman nicht als Monstren und verabscheuungswürdige Massenmörder, das überlässt er je nach Gutdünken dem Zuschauer. Dafür verleiht er ihnen mit dezentem Humor und ebensolcher Tragik den Schein fehlgeleiteter Opfer der sozialen Umstände, in denen sie aufwuchsen. Wie sollen sie Recht und Unrecht auch unterscheiden können, wenn ihnen die kaltschnäuzige Amoral als alltägliche Normalität vorgelebt wurde?

Im zweiten Teil geht John mit Halbschwester Gertie eine Beziehung ein und scheint durch sie erst die Schwere seiner Taten zu begreifen. Die deutsche Synchronisation ist dilettantisch, aber zum Glück hält die DVD-Veröffentlichung von Marketing/Sunfilm den englischen Originalton bereit. Auch bei dem hört man in manchem Dialog Papier rascheln. Die ansehnlichen Darsteller reißen es raus, wenn der dramaturgische Kniff am Ende auch bald offenbar wird. „Piggy Banks“ ist ein sehenswertes, bewusst unkonventionelles Drama, dessen Inszenierung gerade in Hälfte zwei Längen mit sich bringt. Ein reizvoller, wenn auch nicht vollends gelungener Film.

Wertung: (6,5 / 10)

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