Phoenix – Blutige Stadt (USA 1998)

Der Noir-Thriller „Phoenix“ ist einer jener zu Unrecht vergessenen Filme, deren (Wieder-)Entdeckung lohnt. Und das bereits aufgrund des namhaften Ensembles vor der Kamera, das von „GoodFellas“-Star Ray Liotta angeführt wird. Aber auch Regisseur Danny Cannon ist beileibe kein Unbekannter, drehte er doch die „Judge Dredd“-Verfilmung mit Sylvester Stallone (1995) und produzierte ab 2000 die immens erfolgreiche Krimi-Serie „C.S.I.“ samt ihrer diversen Ableger.
Der deutsche Titelzusatz von „Phoenix“, „Blutige Stadt“, unterstreicht seine Berechtigung gleich im Prolog: Während einer regnerischen Nacht sucht Liottas Polizist Harry Collins schwer verletzt einen Unterschlupf. Dass er dabei zwei Kakerlaken ein Rennen austragen lässt, charakterisiert sein Naturell als notorischer Glücksspieler unmissverständlich. Harry wettet einfach auf alles, vorzugsweise auf Pferderennen. Aber auch darauf, mit wie vielen Schüssen aus der Dienstwaffe ein Kaktus in der Wüste gefällt werden kann.
Die Güte der Besetzung zeigt sich auch bei Harrys Kollegen Mike (Anthony LaPaglia, „Without a Trace“), James (Daniel Baldwin, „John Carpenter’s Vampires“) und Fred (Jeremy Piven, „Entourage“). Der korrupteste des Quartetts ist Mike, der zusätzlich zur Polizeiarbeit in Diensten des skrupellosen Geldhais Louie („Breaking Bad“- und „Better Call Saul“-Co-Star Giancarlo Esposito) steht. Für echte Ermittlungsarbeit bleibt da wenig Zeit. Harry wird im Polizeieinsatz nur gezeigt, als es gilt, eine häusliche Geiselnahme zu beenden. Das passt zum Fokus auf die kriminellen Aspekte.
Der Weg Richtung Abgrund führt für ihn über immer weiter angehäufte Spielschulden beim lispelnden Chicago (Tom Noonan, „Manhunter“). Da Harry das Geld aber nicht auftreiben kann, bietet ihm der Gläubiger im Gegenzug an, für ihn einen Zeugen (Giovanni Ribisi, „Der Soldat James Ryan“) zu beseitigen, der sich im Polizeigewahrsam befindet. Aufgrund seines starken moralischen Drangs bleibt Harry zwar standhaft, befeuert damit aber nur weiter den eigenen Untergang.
Der Ensemble-Charakter der Produktion wird auch durch die Episode unterstrichen, in der Harry die junge Veronica (Brittany Murphy, „8 Mile“) aufliest. Anstatt mit ihr ins Bett zu steigen, nimmt er sie jedoch lieber mit zu einer Pokerrunde, bei der seine Pechsträhne trotz ihrer körperlichen Unterstützung aber nicht abreißt. Also fährt der abergläubische Loser sie lieber nach Hause – und zeigt fortan stärkeres Interesse an ihrer Mutter Leila (Anjelica Houston, „Grifters“).
Als Harry den von Mike eingebrachten Vorschlag, Chicago gewaltsam unter Druck zu setzen, ablehnt, planen sie stattdessen einen Überfall auf Louie. Und bei dem sind auch James und Fred beteiligt. Allerdings wird das Bündnis der Kollegen schon deshalb auf eine harte Probe gestellt, da Mike eine Affäre mit Freds Frau (Kari Wuhrer, „Arac Attack“) pflegt, über die der Vorgesetzen der dreckigen Cops (Xander Berkeley, „The Walking Dead“) Bescheid weiß. Und als der Überfall aus dem Ruder läuft und es Tote gibt, dreht sich die Abwärtsspirale für alle Beteiligten nur umso schneller.
Dass Cannon neben den Noir-Anflügen auch groteske Dialoge und Situationen in Tarantino-Manier präsentiert, belegt neben den Ausführungen zum Klassiker „King Kong“ etwa die Einbeziehung eines professionellen Schlossers aus dem Branchenbuch, um Louies Safe zu öffnen. Der Rest ist eine dramatische Mischung aus Verrat und Tod, bei dem Harry dem eigenen Schicksal einfach nicht entgehen kann – wenn dieses am Ende auch sehenswert inszeniert ist. Damit reicht „Phoenix“ zwar nicht an Meisterwerke wie „L.A. Confidential“ (1997) oder insbesondere „Heat“ (1995) heran, hat es bei aller (schauspielerischen) Qualität aber definitiv nicht verdient, einfach vergessen zu werden.
Wertung:
(7 / 10)
