Phantom Raiders (USA/RP 1988)

phantom-raidersEs gibt DVD-Klappentexte, die sind einfach zu schön, um wahr zu sein. Beispiel gefällig? Bitteschön:

„Im tiefen Dschungel von Vietnam trainiert das United States Special Forces Commando den Vietcong-Terror-Plan. Die C.I.A. bekommt heraus, welche Dinge sich in diesem Gebiet abspielen und schickt die Phantom Raiders ins Spiel. Howard Marschall (Miles O’Keeffe) will mit der Angelegenheit kurzen Prozess machen, hat aber nicht mit der Hartnäckigkeit der Widersacher gerechnet. Wochenlang wird die Spezialeinheit im High-Tech-Waffencamp auf das Infiltrieren des Lagers gedrillt – Wird es gelingen dem Wahnsinn ein für alle Mal ein Ende zu bereiten?“

Solchem Wahnsinn sollte man wahrlich ein Ende bereiten. Und zwar eines, das sich gewaschen hat! Was der „Vietcong-Terror-Plan“ ist, bleibt allerdings unklar. Denn im Busch hockt lediglich der abtrünnige US-Colonel Marshall (Mike Monty, „Der Kampfgigant“) und bildet für die bösen Kommunisten Kanonenfutter aus. Das liefert sich bereits während der Anfangstitel ein wildes Scharmützel mit einer amerikanischen Kampftruppe, bei der Handgranaten wie Feuerbälle explodieren und ohne Berücksichtigung von Deckung wüst um sich geschossen wird. Man muss den Videothekenschund aus den späten 80ern einfach lieben. Vor allem, wenn sich stahlharte Pseudo-Recken wie Miles O’Keeffe („Ator – Herr des Feuers“) in der Hauptrolle betätigen.

Sein Python Lang (von wegen Howard Marschall) ist eine Mischung aus John Rambo und Joe Armstrong, also ein Frontschwein mit Ninja-Allüren (die Netzstrumpfmaske ist zum Schreien). Nachdem Marshall und seine Mannen die gefangenen US-Soldaten bei Folterspielen zerlegt haben, soll Python den Unmenschen auf Geheimdienst-Geheiß das Fell gerben. Wie es sich für einen Geheimauftrag gehört, braucht er dafür (neben dem Sohn des Colonels) ein paar ausrangierte Kriegsveteranen mit Plauze und Gesichtsmatratze (!), die sich mit Drogenhandel (!!) über Wasser halten und im nahen Gehölz zu Elitekämpfern gedrillt werden (!!!). Danach geht’s gleich in den Dschungel, wo entgegen aller Vorsicht eine Hundertschaft Feinde mit Ninja-Stern und Maschinengewehr ausgemerzt wird.

Die Machart mutet streng italienisch an, doch ist „Phantom Raiders“ eine amerikanisch-philippinische Koproduktion. Die wurde von Sonny Sanders (Autor von „Der Kampfgigant 2“) und Dan Harvey (immerhin Robert De Niros Fitness-Trainer) ersprießlich dilettantisch und mit der Extraportion Endlos-Krawumm zusammengeklöppelt. Dabei ist es regelrecht erstaunlich, dass in dem groben Schwachsinn deutlich mehr geschossen als gesprochen wird. Beinahe von selbst versteht sich, dass die bösen Bambus-Terroristen nicht mal die nächste Palme treffen, während bei den unerschrockenen Barträgern um Hotte O’Keeffe jeder Schuss sitzt. Stumpfer (und actionreicher) ging’s im Dschungel selten zu, wobei beim Verfassen des Skripts immerhin eifrig Papier gespart wurde. Aus Gründen des Selbstschutzes sollte der Streifen keinesfalls nüchtern genossen werden.

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

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