Persepolis (F 2007)

persepolisFilmbiographien haben im anspruchsvollen Kino einen festen Stand. Die von Marjane Satrapi ist eine der eindrucksvollsten. Allein schon wegen der formalen Erscheinung eines Zeichentrickfilms. Die in Frankreich lebende Iranerin arbeitete die Geschichte ihrer Kindheit und Jugend erst über Comic-Bände auf, ehe sie sich mit Zeichenkünstler Vincent Paronnaud an eine Leinwandfassung wagte. Die ungewöhnliche Form erweist sich für das bewegende Drama als Glücksfall, gestatten die gezeichneten Figuren doch eine Identifikation, die über den Raum des mittleren Ostens hinausragt und das Nischenpublikum eines Weltkinobeitrags elegant zu überbrücken weiß.

„Persepolis“, die Kapitale des antiken Perserreichs, von Alexander dem Großen 330 vor Christus zerstört, gibt dem Film seinen Namen. Der beginnt im französischen Exil, genauer am Flughafen Paris-Orly, wo sich das animierte Alter Ego Satrapis an die Kindheit in Teheran erinnert. Die kleine Marji ist gerade acht Jahre alt, als sie 1978 den Sturz des Schahs und die islamische Revolution erlebt. Aus ihr steigt ein repressives Regime empor, das während des Iran-Irak-Krieges den Märtyrertod als hohes Gut und ehrbares Ziel preist. Für sie und ihre liberalen Eltern beginnt eine Zeit des Leids.

Das aufgeweckt neugierige Mädchen will eigentlich nur zwei Dinge im Leben erreichen: Sie will sich die Beine rasieren können und die letzte Prophetin der Galaxie werden. Ein Gebot ihres eigens verfassten Regelwerks ist, dass mittellose Menschen täglich ein Brathähnchen zu verspeisen haben. Doch daraus wird nichts. Ihr nach Freiheit strebendes Wesen fügt sich nicht in den totalitäten Machtapparat, der Aufbegehren, wie im Falle ihres geliebten Onkels, mit dem Tode bestraft. Ihre erste Station in der Fremde wird Wien, wo sie zu zerbrechen droht. Zurück in der Heimat geht der Verlust selbiger aber nur von vorn los.

Der persönliche, geistreiche und bei aller Tragik auch witzige Film leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis einer Kultur, die im Westen meist vorurteilsbeladen betrachtet wird. Satrapis wunderbares Drama gestattet eine Perspektive, durch deren Blick in die Vergangenheit ermöglicht wird, gegenwärtige politische Entwicklungen besser verstehen zu können. Die schlichten, nur im französischen Rahmen farbigen 2-D-Animationen zeigen das Leid, die Entbehrung und die Gewalt trotz schattierter Andeutungen in vollem Umfang. Vielleicht unterlag das in Cannes mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnete Meisterwerk beim Rennen um den Animations-Oscar gerade deshalb gegen Pixars „Ratatouille“.

Wertung: (10 / 10)

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