Penelope (GB/USA 2006)

penelopeDu musst ein Schwein sein in dieser Welt. Penelope ist eines. Im buchstäblichen Sinne. Seit Jahrhunderten lastet ein Fluch auf ihrer aristokratischen Familie, der die weiblichen Nachkommen mit einem Ferkelrüssel zur Welt kommen lässt. Dass ausgerechnet sie die erste Betroffene ist, macht es für die Eltern nicht eben leichter. Die zur Hysterie neigende Mutter (Catherine O’Hara, „Schlagzeilen“) versteckt das Kind kurz nach der Geburt und täuscht gar Penelopes Tod vor. Zum eigenen Wohle, mehr noch zur Beruhigung der Familie, wächst sie im goldenen Käfig eines von der Außenwelt abgeschotteten Heims auf.

Gebrochen werden kann der Fluch nur, wenn das Mädchen von jemandem ihresgleichen geliebt wird. Also werden auf Mutters Geheiß über Jahre blaublütige Junggesellen vorstellig, die sich beim Anblick der holden Missgestalteten aber gleich scharenweise aus dem Fenster stürzen. Bis zum Einbau von bruchsicherem Glas. Dass bislang nichts über Penelopes Schicksal an die Öffentlichkeit geriet, verdankt die Familie den flinken Füßen des Butlers, der einen jeden Flüchtigen einfangen und zur Unterschrift einer Schweigeverpflichtung bewegen konnte. Die Ausnahme ist der schnöselige Edward (Simon Woods, „Rome“).

Die britisch-amerikanische Co-Produktion heißt wie ihre Heldin, „Penelope“, die allmählich aus dem überfürsorglichen Gefängnis ausbricht und das wahre Leben auf den Straßen und in den Pubs erlebt. Doch auch diesem modernen Märchen, obendrein das Langfilmdebüt von Mark Palansky, dürfen nicht die Romantik und die Intrigen fehlen. Da kommt Edward ins Spiel, der ob seiner Schilderungen für verrückt erklärt wird und mit dem kleinwüchsigen Reporter Lemon (Peter Dinklage, „Station Agent“) den Fotobeweis anstrebt. Zu diesem Zweck engagieren sie Max (James McAvoy, „Wanted“). Der jedoch findet Gefallen an Penelope.

Mit Spiel- und Dialogwitz amüsiert die liebenswerte Außenseiter-Fantasie und gibt Hauptdarstellerin Christina Ricci („Sleepy Hollow“) ausreichend Gelegenheit, ihren Charme spielen zu lassen. Der bisweilen an Tim Burtons hellere Tage angelehnte Look tut sein übriges, doch fehlt der Geschichte der gewisse Schliff, um die gefällig verpackten Klischees und den bonbonbunten Kitsch, gerade im recht beliebig geratenen Schlussdrittel, aufwiegen zu können. Oscar-Preisträgerin Reese Witherspoon („Walk the Line“) schaut auch noch für ein überflüssiges Gastspiel vorbei und unterstreicht dabei all die dem Plot anhaftende Harmlosigkeit und Nettigkeit. Ein sehenswertes, wenn auch keinesfalls glanzvolles Märchen, das Jung und Alt gleichermaßen ansprechen dürfte.

Wertung: (6 / 10)

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