Pathology (USA 2008)

pathologyHalbgötter in Weiß. Was für den Arzt gilt, muss den Pathologen nicht aussparen. Doch wie weit darf der Einflussbereich derer führen, die mit menschlichem Leben oder der Erkenntnis des Todes hantieren? Und wer stellt die für sie unabdingbaren ethischen Wegweiser auf? Ein solches Instrument ist der Hippokratische Eid, nach dem das Leben durch den Mediziner geachtet und gewahrt bleiben muss. Ein anderes kann die Filmindustrie sein, die den Diskurs über die Wege der Unterhaltung suchen kann. So wie bei „Pathology“, dem US-Einstand des deutschen Regisseurs Marc Schoelermann („Der Clown“).

Der bringt nicht nur ein Drehbuch des Autorengespannes Mark Neveldine und Brian Taylor auf die Leinwand, das mit dem comichaften Adrenalin-Actioner „Crank“ für Furore gesorgt hatte, er stürzt die beiden auch vom hohen Ross des Überraschungserfolgs. Denn der langatmige Thriller scheitert trotz seiner reizvollen Grundierung in fast allen Belangen und versucht die akute Spannungsarmut durch sattsam gestreute Ekeleffekte aufzuwiegen. Wem mit scharfer Klinge geöffnete Körper, wohlgemerkt nicht im Sinne des Horrorfilms, vor Morbidität eiskalte Schauer über den Rücken jagen, der wird dem Film stellenweise vielleicht sogar eine nachhaltige Wirkung attestieren können. Nur führt diese nie über die Belanglosigkeit seines Kerns hinaus.

Überhaupt bietet Schoelermann wenig Halt. Das beginnt bereits bei den Figuren, die einerseits unsympathisch und andererseits unglaubwürdig erscheinen. Der Hauptpart gebührt „Heroes“-Star Milo Ventimiglia, der als vor Brillanz strotzender Harvard-Absolvent Ted Gray in einen Zirkel erlesener Jungwissenschaftler eingeführt wird. Die, angeführt vom arroganten Jake (Michael Weston, „Garden State“), verfolgen hinter den Kulissen ein wahnsinniges Spiel, bei dem sie versuchen, den perfekten, weil von den anderen nicht zu durchschauenden Mord zu verüben. Nach anfänglichen Zweifeln ist Ted mit Feuereifer beim amoralischen und selbstzerstörerisch von Drogen, Alkohol und Sex staffierten Wettstreit dabei. Doch der Preis für das göttliche Aufspiel ist hoch.

Im Gegensatz zum erzählerischen Tempo, dass den aus gutem Hause stammenden und mit der Tochter (Alyssa Milano, „Charmed“) eines einflussreichen Vaters liierten Ted ohne nennenswerten Gewissenskonflikt in die Riege der mordenden Pathologen treibt. Die, von jeder Moral entbunden, spornen sich zu immer ausgeklügelten Tötungsszenarien an. Viel zu lange folgt der Film diesem enthemmten Treiben, bis sich schließlich doch das Gewissen regt. Paradoxerweise mehrt gerade das die Drastik der Handlungen. Ein Duell auf dem Seziertisch beginnt, bei dem Ted und Jake die Fronten ein für allemal klären. Der makabre Grundton kann nicht die Ideenlosigkeit verbergen, die wie ein Damoklesschwert über dem tranigen 90-Minüter pendelt. Die Schauspieler wirken verschenkt, das Potential verplempert. Im Kino hat diese vage Ahnung eines Psycho-Thrillers damit nichts verloren.

Wertung: (4 / 10)

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