Parker Lewis – Der Coole von der Schule (Season 1) (USA 1990)

parker-lewis-season-1Damals, als sich die modische Grausamkeit der Achtziger erfolgreich ins Folgejahrzehnt gerettet hatte und amerikanische TV-Serien in ihrer grellen Farbsättigung Schmerzen bereiteten, schlug die Stunde von „Parker Lewis“. Es sollte die etwas andere Pennäler-Posse werden, ein übersteigerter, im Kern jedoch von der Zielgruppe unbedingt nachvollziehbarer Blick auf die Probleme des Teenager-Alltags. Das kam an, durch die Überspitzung von Typenklischees und einer audiovisuellen Konzeption, die die Reihe in comichafter Manier weit außerhalb der Realität positionierte.

Erdacht hatte das Format Clyde Phillips, der als Ausführender Produzent der morbiden Krimi-Reihe „Dexter“ derzeit große Erfolge feiert. Über drei Jahre und insgesamt 73 Episoden begleitete er die schulischen und privaten Abenteuer des aufgeweckten Titelhelden, in dessen Rolle Corin Nemec („Fass’ mein Kind nicht an“) den Ruf des vielversprechenden Jungstars festigen konnte. Mitte der Neunziger jedoch wurden gute Rollen rar und Nemec verabschiedete sich aufs Glatteis des B-Movies, wo er sein Dasein seither in Werken wie „Mosquito Man“ oder „RoboDoc“ fristet.

An „Parker Lewis“, in Deutschland mit dem drögen Untertitel „Der Coole von der Schule“ bedacht, erinnern sich die Junggebliebenen aber auch heute noch gern. Die Serie wirkt in ihren Grundzügen wie eine Weiterführung des Jugend-Kultfilms „Ferris macht blau“, der im gleichen Jahr über 13 Folgen hinweg selbst für die Mattscheibe aufbereitet wurde. Doch das Konkurrenzprodukt „Ferris Bueller“, in dem auch der spätere Hollywood-Star Jennifer Aniston mitwirkte, wurde schnell wieder eingestellt. Übrig blieb Parker, dessen täglicher Kampf vor allem einem Gegner galt: Der gestrengen Rektorin Miss Musso.

Mit deren Verkörperung erlangte auch Melanie Chartoff, die vornehmlich als Stimme diverser Trickfilmfiguren (u.a. als Didi Pickles in „Rugrats“) in Erscheinung tritt, kurzzeitig Bekanntheit. Gemeinsam mit Schüler Frank Lemmer (Taj Johnson) führt sie ein unerbittliches Regiment, hat dem Einfallsreichtum von Parker und dessen Kompagnons, dem lässigen Mikey (Billy Jayne) und dem unterwürfigen Geek Jerry (Troy W. Slaten), aber wenig entgegenzusetzen. Wenn es nicht gerade gegen die Pläne der reichlich Glas zerbrechenden Musso geht, gilt es vorrangig dem Liebesglück (anderer) auf die Sprünge zu helfen.

Aber auch Parkers kleine Schwester Shelly (Maia Brewton) oder der tumbe Riese Kubiac (stieß später zum Cast von „E.R.“: Abraham Benrubi) sorgen immer wieder für Wirbel – überraschenderweise erweisen sich die Eltern nur selten als Problemherd –, die Parker und seine Freunde aber stets mit technischem Geschick und übermenschlichem Timing zu meistern wissen. Neben den überzogenen Figuren tragen auch Kamera und Soundeffekte viel zum satirischen Humor bei. Der hat nach all den Jahren, im Gegensatz zu Nemecs übergroßen Hemden, kaum an Wirkung verloren. Die DVD-Erstveröffentlichung dieses heimlichen TV-Klassikers dürfte daher, neben den alten, auch einige neue Fans gewinnen.

Wertung: 7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

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