Paris, Paris – Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück (F/D/CZ 2008)

paris-paris-2008Mit „Paris, Paris“ lädt Christophe Barratier („Die Kinder des Monsieur Mathieu“) zum schwelgerischen (Rück-)Blick auf Frankreichs Kapitale und die sie romantisierenden Chansons. Der deutsche Untertitel „Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück“ jedoch führt in die Irre. Denn obwohl der von Gérard Jugnot („Tolle Zeiten“) liebevoll melancholisch gespielte Charakter im Mittelpunkt steht, ist das meisterlich bebilderte Drama ein klassisches Ensemblestück. Der Figuren und Nebenhandlungen sind es für zwei Stunden zwar fast zu viele, in der jüngeren Vergangenheit allerdings vermochte kaum ein Filmwerk mehr zu betören.

Jener Pigoil arbeitet im Varieté-Theater Chansonia, an dem sein Herz hängt und in dem er von den Affären seiner Gemahlin erfahren muss. Am Silvesterabend des Jahres 1936 geht die Bühne in den Besitz des zwielichtigen Geschäftsmannes Galapiat (Bernard-Pierre Donnadieu, „Wir sind so verhasst“) über, der den Betrieb schließt und die Belegschaft auf die Straße setzt. Monate später wagt Pigoil mit den ebenfalls arbeitslosen Jacky (Kad Merad, „Willkommen bei den Sch´tis“) und Milou (Clovis Cornillac, „Asterix bei den Olympischen Spielen“) den Neuanfang. Selbst Galapiat willigt ein. Doch dann taucht die hübsche Douce (Nora Arnezeder, „Two Worlds – Zwischen den Welten“) auf und verdreht neben ihm auch Milou den Kopf.

Es geht hin und her, rauf und runter. Der Arbeitslosigkeit wegen verliert Pigoil das Sorgerecht für seinen geliebten Sohn Jojo (Maxence Perrin), dessen inzwischen wiederverheiratete Mutter den Kontakt zwischen ihnen unterbindet. Die Liebe zwischen Milou und Douce scheitert (vorerst) an ihrem Karrierestart als Chansonsängerin. Der erfolglose Komiker Jacky wird von Gangster Galapiat, der im Buhlen um Douce sogar über Leichen geht, zur Bespaßung der erstarkenden Faschisten herangezogen. In tragischer Zuspitzung wird dies Knäuel verwobener Schicksale schlussendlich aufgelöst.

Neben der detailreichen Ausstattung, den aufwändigen Kulissen und der extraordinären Kameraführung von Tom Stern („Mystic River“) ist es die wundervolle Musik, die „Paris, Paris“ zum Schmaus für Augen und Ohren macht. Nicht minder hervorzuheben ist die Leistung der Darsteller, in deren Reihen auch Pierre Richard („Der große Blonde mit dem roten Schuh“) einen bemerkenswerten Platz erhält. Barratiers visuell überwältigender Film kostet Nostalgie und Pathos voll aus, ohne sich dem puren Kitsch hinzugeben. Statt des großen Melodrams bleibt es beim sehnsüchtigen Blick auf eine Stadt (und ihre Menschen), die schier beispiellos für das Nebeneinander von Kunst und Leidenschaft steht. Kurzum: Schöngeistige Unterhaltung für Genießer.

Wertung: (8 / 10)

 

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