Panik in der Sierra Nova (USA 1977)

panik-in-der-sierra-novaDie 70er gelten als filmisches Wonnejahrzehnt. Der Geist des New Hollywood löste das verkrustete Studiosystem ab und der zunehmend freie Geist ließ Strömungen zu, die Experimente und verstörende Grenzerfahrungen nachhaltig salonfähig machten. Dank Steven Spielbergs Killerfisch-Klassiker „Der weiße Hai“ (1975) wurde zudem der Blockbuster geboren, dem wie selbstverständlich zahlreiche Epigonen aus der Mitte der rebellierenden Natur folgten. Eine der ersten war William Girdlers „Grizzly“ (1976), der Hai gegen Bär und Meer gegen Nationalpark tauschte. Dem hielt Girdler auch die Treue, als er 1977 für „Panik in der Sierra Nova“ sorgte.

Der klassische Tier-Horror-Stoff beginnt als Blaupause gängiger Klischees des Katastrophenkinos, wenn eine Gruppe Städter mit Steve Buckner (Christopher George) zum Survival-Camping in die bergige Wildnis aufbricht. Mit dabei sind u.a. Nachrichtensprecherin Terry (Georges Ehefrau Lynda Day, „Pieces“), Professor MacGregor (spielte neben George auch in „Grizzly“: Richard Jaeckel) und der zynische Werbefachmann Paul Jensen (vor seinem späten Durchbruch als „Nackte Kanone“: Leslie Nielsen). Der Abenteuer-Trip wird zum Alptraum, als Wildtiere in höheren Lagen, bedingt durch steigende Ozonwerte, aggressiv werden und Menschen anfallen. Die nahe Stadt wird vorsichtshalber evakuiert, die Gruppe um Buckner bleibt jedoch auf sich allein gestellt.

Spannungen sind vorprogrammiert und vor allem Unruhestifter Jensen spaltet die Gruppe. Als die Gefahr zunimmt, versucht er eine höher gelegene Rangerstation zu erreichen und gewinnt einen Teil der Gemeinschaft für sein Vorhaben. Mit absehbaren Konsequenzen. Buckner und der Rest schlagen sich in Richtung Stadt durch, haben den Attacken verschiedener Spezies jedoch wenig entgegenzusetzen. Gerade der Einsatz dieser Vielzahl an Tieren (u.a. Pumas, Wölfe, Wildhunde, Klapperschlangen und allerlei Federvieh) beeindruckt und die Trainer Monty Cox („Night Creature“) und Lou Schumacher („Rabbits“) leisteten bemerkenswerte Arbeit. Auf den Film insgesamt trifft das jedoch nur bedingt zu.

Die klassisch gestrickte Erzählung reduziert die Figurenzeichnung auf banale Problemfelder, braucht die Reißbrettcharaktere aber ohnehin bloß als Träger des Unbehagens. An dem mangelt es Girdlers Werk tatsächlich nicht, woran auch der Score Lalo Schifrins („Kobra, übernehmen sie“) seinen Anteil hat. Reißerische Tierattacken, technisch nicht selten hoffnungslos veraltet, und Momente unfreiwilliger Komik pendeln „Panik in der Sierra Nova“ aber letztlich nur im soliden Mittelmaß ein. Spaß bereitet hingegen Leslie Nielsen, dessen Kotzbrocken Jensen derart übertrieben den Rudelführer markiert, dass sein grassierendem Wahnsinn geschuldeter Oben-ohne-Ringkampf mit einem Bären fast schon logisch erscheint. Wahrlich keine Offenbarung und doch ein sehenswerter Vertreter der alten Genre-Hochzeit.

Wertung: (5 / 10)

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