Panic Room (USA 2002)

panic-roomKult-Regisseur David Fincher hat einen schweren Stand. Der Mann, der mit dem dritten Teil der „Alien“-Saga sein Debüt vorlegte und mit „Sieben“ und „Fight Club“ wahre Meilensteine des modernen Kinos vorlegte, wird sich zukünftig wohl mit jedem neuen Werk automatisch an eben diesen messen lassen müssen. Den Beweis dafür tritt der Virtuose mit seinem neuesten Streich, dem klaustrophobischen, von David Koepp („Jurassic Park“) geschriebenen Kammerspiel „Panic Room“ an.

In dem bezieht die frisch geschiedene Millionärsgattin Meg Altman (Jodie Foster) mit ihrer halbwüchsigen Tochter Sarah (Kristen Stewart) ein mehrstöckiges Haus in Manhattan. Größter Blickfang des alten Gebäudes ist ein versteckter Raum, gepanzert und ausgestattet mit einer Video-Überwachungsanlage. Auf die „Annehmlichkeiten“ des kleinen Bunkers müssen die beiden allerdings schneller zurückgreifen, als ihnen lieb sein kann. Der Grund sind drei Gangster – Forest Whitaker, Jared Leto und Dwight Yoakam –, die das Gebäude unbewohnt wähnten und dummerweise an Wertpapieren interessiert sind, die sich in eben jenem Panic Room befinden. Der Auftakt einer verbissen geführten Belagerung, in dem beide Parteien auf recht unkonventionelle Mittel des Kampfes zurückgreifen.

Ursprünglich sollte Nicole Kidman die Hauptrolle übernehmen, fiel aber bereits nach wenigen Drehtagen aufgrund einer Knieverletzung, die sie sich beim Dreh von „Moulin Rouge“ zugezogen hatte, aus. Die Ersatzwahl Finchers fiel letztlich auf die zweifache Oscar-Gewinnerin Jodie Foster („Das Schweigen der Lämmer“), die sich seit der Geburt ihres ersten Sohnes in den vergangenen Jahren rar auf der Kinoleinwand gemacht hatte. Seit dem gefloppten Kostüm-Drama „Anna und der König“ hatte die 39-jährige nicht mehr vor der Kamera gestanden. Geschadet hat der Aktrice, die übrigens während der Dreharbeiten erneut in anderen Umständen war, diese Pause nicht, verkörpert sie doch einmal mehr mit Bravour die Rolle einer verletzlich wirkenden Frau, die durch drohende Gefahr über sich hinaus wächst.

Überhaupt gibt es wenig an „Panic Room“ auszusetzen. David Fincher beschränkt seinen Thriller auf das Wesentliche, wirft den Zuschauer unmittelbar ins Geschehen und konfrontiert diesen rasend schnell mit der Ausgangskonstellation. Es wird nicht mehr geredet als nötig, nicht mehr Zeit für eine Charakterisierung der einzelnen Personen aufgebracht als erforderlich. Ein ausgesprochen löblicher, obgleich auch sehr rudimentär wirkender Erzählstil. Visuell wirkt der Film gewohnt spektakulär, obwohl das Design, verglichen mit anderen Werken Finchers, beinahe zurückhaltend anmutet. Das größte Manko des Thrillers besteht wider allen Perfektionismus darin, dass die Spannung trotz beständiger Atmosphäre auf sich warten lässt. Dass „Panic Room“ im letzten Drittel obendrein arg vorhersehbar wird, tötet zudem noch den Rest subtiler nervlicher Anspannung ab.

Den Darstellern kann dies jedoch kaum angekreidet werden. Jodie Foster und vor allem Jungmimin Kirsten Stewart überzeugen, während Forest Whitaker („Ghost Dog“) eine eher solide Vorstellung abliefert. Als relativer Ausfall ist einzig Jared Leto („Fight Club“) zu bezeichnen, der mit seiner affektierten Darstellung des oberharten Gangsters beizeiten enormes Nervpotenzial entwickelt. Insgesamt betrachtet bleibt ein für Hollywood-Maßstäbe überdurchschnittlicher Thriller, der im Gesamtwerk des David Fincher allerdings eher durchschnittlich erscheint.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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