Pale – Brother. Sister. Bores! (2006, Grand Hotel Van Cleef)

pale-brother-sister-boresPALE sind von der Muse geküsst. Gut waren die Aachener schon immer. Ein wenig im Hintergrund vielleicht, weil sie sich dem Kreuzzug des Emo-Punk verwehrten und lieber zwischen Indie, Rock und Pop die Welt erklärten. Und wenn nicht die Welt, dann zumindest den Dämmerzustand der eigenen Existenz. Nun hat sich das Gespann im Grand Hotel van Cleef eingerichtet. Dass sich die Band im Umfeld von TOMTE, KETTCAR & Co. endgültig zu voller Größe aufrichtet, säugt den Legendenstatus der Hamburger Hitfabrik aus üppiger Brust. Aber es ist nicht das Label, welches die Künstler durch ihre Eingliederung großartig werden lässt. Es sind großartige Künstler, die das Label durch ihre Eingliederung zum Garanten für Musik zwischen zeitgeistiger Unterhaltung und Anspruch prädestinieren.

„Brother. Sister. Bores!“, der sechste Langspieler aus dem Hause PALE, ist ein wahrer Ohrenschmaus. In leidenschaftlichen Arrangements klingt ein Hauch von Wehmut mit. Es überwiegt der Optimismus, es triumphiert die Spielfreude. „You Wanna Be so Good“ ist nach der gemütlichen Pianomelodie des Starters „Take Me Out, Bouncers!“ die erste Höchstmarke eines Albums, welches mit Eleganz und Finesse zu Beifallsstürmen hinreißt. Die ersten Klänge von „A Clash at the Nightclub“ sind TOMTE entliehen. Hallo Nachbarn. In der Folge adaptieren PALE die Spielart des zeitgenössischen Brit-Pop, ohne je ihre Wurzeln zu verleugnen. Die Begeisterung, mit der das Quintett seiner kreativen Energie Ausdruck verleiht, entwickelt eine geradezu ansteckende Sogwirkung. Dem Strudel der Gefühle zu entrinnen scheint kaum möglich. Nennen wir es ein Meisterstück. Aber in ihrer Bescheidenheit würde die Band derart inflationäre Begrifflichkeiten wohl kaum zulassen.

Wertung: (8,5 / 10)

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