Outlaws and Angels (USA 2016)

„I need you to do somethin‘ for me. I need you to fuck this man proper right here in that shit hole.“ – Henry
Es gibt Stimmen, die in „Outlaws and Angels“ eine Mischung aus „Unsere kleine Farm“ (1974-83) und „Last House on the Left“ (1972) erkannt haben wollen. Die Marketing-Perspektive wird damit hinreichend bedient. Der Kern des Films jedoch nicht. Dabei ist eine gewisse Patenschaft des Home-Invasion-Kapitels vom letzten Haus links keinesfalls zu bestreiten. Vor allem, da sich der von Produzent, Autor und Regisseur JT Mollner („Strange Darling“) verantwortete Grindhouse-Western in Bildsprache und Erzählweise deutlich an das abseitige Kino der 1970er anlehnt. Dazu passt, dass Mollner sein Langfilmdebüt auf 35 mm gedreht hat.
Dass die Gewalt in diesem farblich ausgeblichenen Wildwest-Entwurf bevorzugt roh serviert wird, veranschaulicht gleich der Auftakt, in dem eine verirrte Kugel blutig den Kopf einer jungen Frau durchschlägt. Der Grund: Henry (Chad Michael Murray, „One Tree Hill“) und seine Bande rauben eine Bank aus und gehen dabei keineswegs zimperlich vor. Kaum sind die Outlaws aus der Stadt geritten, wird ihnen Kopfgeldjäger Josiah (Luke Wilson, „Horizon: An American Saga“) hinterhergeschickt. Um den Verfolgern zu entkommen, schlagen Henry & Co. jedoch einen beschwerlichen Weg Richtung Mexiko ein, der für Pferde unpassierbar scheint. Unterwegs reduziert sich die Bande auf Henry, Charlie (Nathan Russell, „American Violence“) und den massigen Little Joe (Keith Loneker, „The Vault“), der in einer überflüssigen Post-Abspannszene noch ein Liedchen trällern darf.
Als das Trio auf das abgelegene Haus von Prediger George Tildon (Ben Browder, „Stargate SG-1“) stößt, das er mit seiner gottesfürchtigen Gattin Ada (Teri Polo, „Meine Braut, ihr Vater und ich“) und den zerstrittenen Töchtern Charlotte (Madisen Beaty, „Once Upon a Time… in Hollywood“) und Florence (Clint Eastwoods Tochter Francesca, „Juror #2“) bewohnt, bricht für alle Beteiligten eine Zeit des Schmerzes an. Die christlichen Beschwörungen der Eltern und die gebrochene Nase des Vaters sind erst der Anfang. Dabei wird die Zuspitzung der Ereignisse von Henrys Interesse an der 15-jährigen Florence getragen, die ihrerseits einen Ausweg aus dem tristen Leben zu erkennen scheint.
Dass Mollner sein dreckig brutales Werk weit abseits gängiger Genre-Formeln verortet, ist klar erkennbar – und erinnert damit unweigerlich an nihilistische Western-Entwürfe wie „Todesmarsch der Bestien“ (1972).
Den Unterschied macht – entgegen der „Unsere kleine Farm“-Assoziation –, dass auch die Tildons keineswegs unbescholten sind. Allerdings wird der im christlichen Heim ansässige „Teufel“ vor der Ankunft der Banditen so deutlich vorweggenommen, dass dessen gewaltreiche Entblößung keineswegs überraschend erscheint. Tendenziell unbequem ist das Gezeigte allemal. Nur eben nicht so intensiv oder verstörend, wie es Mollner mutmaßlich intendiert hat. Ein beträchtlicher Teil der fast zweistündigen Erzählung fokussiert auf die Gegenüberstellung der scheinbar intakten Familie und ihrer Peiniger. Sexueller Missbrauch und Demütigung nehmen beim aufgezeigten Psycho-Terror auf verschiedene Weise eine wesentliche Rolle ein.
Die Musik widerstrebt dabei bevorzugt den Bildern. Stilistisch gelungen sind aber auch visuelle Elemente. So unterstreichen etwa die altschulischen Zooms oder der mit farblich hinterlegten Standbildern versehene Vorspann das unberechenbare 70’s-Feeling. Das momentweise eingesetzte CGI-Blut wirkt daneben allerdings wie ein Fremdkörper. Das große Problem von „Outlaws and Angels“ bleibt jedoch der Mangel an Figuren, deren Schicksal zur Anteilnahme verleitet. Selbst Josiah wird am Ende nicht als Henrys Widerpart definiert, sondern als Spiegelfläche des schmalen Grats zwischen Recht und Unrecht. So siegt schlussendlich die Konsequenz egoistischer Skrupellosigkeit. In seiner Gesamtheit wirkt Mollners moralisch entwurzelter Anti-Western aber nicht nur deutlich zu lang, sondern lässt in seiner kalkulierten Grenzüberschreitung auch seltsam kalt. Die guten Leistungen von Murray, Polo und Eastwood, deren Mutter Frances Fisher („Erbarmungslos“) in einer kleinen Rolle auftritt, helfen da nur bedingt weiter. Kurzum: Ein Film, der sein Publikum spaltet.
Wertung:
(5 / 10)
