Out For a Kill (USA 2003)

out-for-a-killNeben „Halb tot” beglückt uns Steven Seagal, oft gescholtene Prediger physischer Gewalt, dieser Tage auf Video und DVD mit einer weiteren Darbietung seines ganz besonderen Könnens. Mit „Out For a Kill” bereichert er sein persönliches Schatzkästchen kinematographischer Tiefschläge obendrein um eine weitere, ganz auf den Videomarkt zugeschnittene Produktion dürftigster Natur.

Der angesehene Geschichtsprofessor und Archäologe Robert Burns (Seagal) wird eher versehentlich in den Drogenhandel eines mächtigen chinesischen Kartells verwickelt und als vermeintlicher Mittäter der kriminellen Unternehmung inhaftiert. Die Behörden erhoffen sich durch seine Freisetzung die Identifizierung der Hintermänner des Syndikates, nicht ahnend, dass die Verbrecherorganisation den unliebsamen Zeugen schnellstmöglich beseitigt sehen möchte. Nachdem zwei Versuche, den Professor mundtot zu machen fehlschlagen, stirbt dessen Ehefrau bei der Explosion des heimischen Domiziles. Doch der schlagkräftige Gelehrte setzt zur Flucht nach vorn an und zelebriert einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen die Drahtzieher des heimtückischen Mordes.

Der geneigte Anhänger anspruchslosen Leichenzählens musste sich in den vergangenen Jahren ein verdammt dickes Fell aneignen, um die durchweg nichtigen Ausgeburten der gefallenen Action-Prinzen Van Damme und Seagal ohne chronische Folgeschäden ertragen zu können. „Out For a Kill” bildet da erwartungsgemäß keine Ausnahme und versetzt der Karriere Seagals lediglich einen weiteren Tritt in die siechenden Eingeweide. Dabei lässt der Auftakt noch soliden Rummel auf B-Niveau erhoffen, zeugt das nett in Szene gesetzte Gemetzel in einer osteuropäischen Erotiklokalität mit schnellen Schnitten und ansehnlichen Einschüssen doch zumindest für eine gewisse Vorfreude. Diese verpufft allerdings vollends, sobald der gewohnt ausdruckslose Nahkampfrüde in modischer Lederjacke, die über die 85-minütige Lauflänge im übrigen nicht mehr abgelegt wird, das Sichtfeld der Kamera kreuzt und jeden Gegner allein mit der Anzahl seiner Gesichtsfalten das Grausen lehrt.

Seagal war selbst mit viel Phantasie an keinem Punkte seiner Laufbahn als echter Schauspieler zu betrachten, wenngleich die hier aufbäumende Arbeitsverweigerung wahrscheinlich selbst Vince Merducco die Schamesröte in vokuhilabefangene Antlitz brennen würde. Doch hat „Out For a Kill” auch erwähnenswerte Seiten, sei es die nach „Zum Töten freigegeben” endlich wiederentdeckte Schwertführung des fleischgewordenen Prügelklischees oder die zahlreichen Handgemenge, in dessen Zuge der reinkarnierte Lederlappen gar einige Knochen verbiegt oder sinistre Augenpaare mit den Fingern erblinden lässt. Aber betrachten wir es realistisch, Seagal wirkt müde, die Bewegungsabläufe langsam und die Keile ohne rechte Anstrengung auf die Masse böswilliger Verbrecher umverteilt. Es macht im Jahre 2003 schlicht keinen Spaß mehr, dem ewig triumphierenden Racheengel bei der Auslebung tumber Zornesgelüste zuzuschauen. Das ohnehin stark eingeschränkte Bewegungsspektrum des Steven Seagal scheint endgültig erschöpft, der selbsternannte CIA-Agent außer Dienst eher außer Form.

Zurück ins Leben holt diesen Berg darstellerischer Inkompetenz wohl niemand mehr, vor allem nicht Regisseur Michael Oblowitz, der bereits mit „The Foreigner” das ohnehin sinkende Karrierewrack des unbeholfenen Mimen nach Leibeskräften torpedierte. Sein nicht minder scheußlicher „Out For a Kill” hat mit elend ausgereizten Zeitlupensequenzen, unsinnig collagierten Einstellungen vor Blue-Box-Hintergrund, endlosen Anleihen bei fernöstlichen Genrevertretern und buddhistisch angehauchten Weisheiten nichts zu bieten. Da ist jedes Knacken des obligatorischen Glückskekses nach der Nahrungsaufnahme beim Chinesen an der Ecke um ein vielfaches spannender. Ansprechende Szenenfolgen sind im Sud des faden Eintopfes nur allzu rar gesät, der Film über weite Strecken gar hochgradig dümmlich. Unter ansprechenderer Regie hätte dieses lächerliche Low-Budget-Machwerk zumindest solide Unterhaltung der B-Kategorie garantiert. Bei diesen Voraussetzungen jedoch ist einfach nicht mehr drin als der qualitative Neuanstrich der videothekaren Kellerdecke.

Wertung: (2 / 10)

 

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