Our Idiot Brother (USA 2011)

our-idiot-brotherDer Titel täuscht. „Our Idiot Brother“ ist weder idiotisch noch bestätigt er den Ursprungsverdacht einer zotigen Klamotte. Jesse Peretz („Dein Ex – Mein Albtraum“) konventionelle (Tragi-)Komödie erhebt die Familie einmal mehr zum Quell heiter-dramatischer Entwicklungen und feiert einen naiven Lebenskünstler als Gegenentwurf zu modernen gesellschaftlichen Rollenbildern. Gespielt wird der liebenswerte Tollpatsch von Paul Rudd („Woher weißt du, dass es Liebe ist?“), der sich über die Jahre fest im Komödiensegment etabliert hat.

Sein Hippie Ned Rochlin schätzt vor allem die kleinen Dinge des Lebens. Wie die Arbeit auf dem Biobauernhof von Freundin Janet (Kathryn Hahn, „Stiefbrüder“) oder das Herumtollen mit seinem geliebten Hund Willie Nelson. Aber der bärtige Sandalenträger ist einfach zu gut für diese Welt. Aus Nächstenliebe verkauft er einem Polizisten Marihuana und landet zum Dank im Gefängnis. Nach seiner Entlassung setzt ihn die herrische Janet vor die Tür. Sie hat in der Zwischenzeit einen noch willigeren Trottel gefunden. Nicht einmal Willie Nelson darf Ned noch sehen. So flüchtet er nach Long Island, in den Schoß der Familie.

Mutter Ilene (Shirley Knight, „Der Kaufhaus Cop“), bei der Ned anfangs unterkommt, ist mit den Nerven aber bald am Ende. So müssen der Reihe nach seine Schwestern einspringen, deren Privatleben der Alltagskünstler in seiner offenherzigen Art kräftig durcheinanderwirbelt. Durch sein unbedarftes Tun muss die zweifache Mutter Liz (Emily Mortimer, „Hugo Cabret“) erkennen, dass sie von ihrem Gatten, dem snobistischen Dokumentarfilmer Dylan (Steve Coogan, „Tropic Thunder“), betrogen wird. Karrieristin Miranda (Elizabeth Banks, „Zack and Miri Make a Porno“) und Freigeist Natalie (Zooey Deschanel, „New Girl“) ergeht es im Anschluss kaum besser.

Keine Frage, die Geschichte – und vor allem ihre Hauptfigur – hat Witz und Charme. Aber die aufbrechenden Konflikte wirken doch sehr holzschnittartig und die Schwestern bleiben ungeachtet der guten Besetzung klischeehaft und oberflächlich. Dass sie die besondere Weltsicht ihres eigenwilligen Bruders am Ende aber zu schätzen lernen, liegt auf der Hand. Die Einfachheit des Skripts räumt die aufgeworfenen Probleme durch die Zusammenführung Neds mit Willie Nelson schlussendlich aber reichlich simpel aus der Welt. So bietet „Our Idiot Brother“ kurzweilige Unterhaltung – wenn auch ohne den Ballast tiefsinniger Gedanken.

Wertung: (6 / 10)

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