Otis (USA 2008)

otisEin bisschen Spießer-Satire, ein bisschen ironische Brechung der anhaltenden Folterfilmwelle. „Otis“ ist von allem etwas, dabei aber nichts richtig. Die Titelfigur, etwas farblos verkörpert von Bostin Christopher („Unbreakable“), ist ein dicker Außenseiter, der eine weitläufige Bruchbude mit Kellerverlies bewohnt. Dorthin verschleppt er junge Dinger, von ihm stets Kim genannt, und zwingt sie zu perfiden Rollenspielen, bis er sie, sofern noch am Leben, während eines fingierten High School-Abschlussballs zu penetrieren gedenkt. Mit der Entführung von Riley (Ashley Johnson, „Fast Food Nation“) aber wendet sich das Blatt.

Die Independent-Groteske entfaltet ihr Potential nicht über den psychopathischen Pizzalieferanten, sondern die Familie seines jüngsten Opfers. Während Riley unter Androhung körperlicher Gewalt in Otis‘ die Schulzeit zu seinen Gunsten nacherzählendem Bauerntheater einsteigt, vergehen ihre Eltern Kate (Illeana Douglas, „Echoes“) und Will (Daniel Stern, „Very Bad Things“) sowie Bruder Reed (Jared Kusnitz, „Dance of the Dead“), durch Drogen und Videospiele sattsam vorverroht, in Sorge. Der geckenhafte Profiler Hotchkiss (Jere Burns, „Greedy“) soll den Täter aufspüren. Doch scheint ihm mehr an der möglichst kompetenten Außendarstellung seiner Person gelegen.

Regisseur Tony Krantz („Sublime“), vorrangig bekannt durch seine Funktion als Produzent (u.a. bei „24“), läuft erst mit Rileys Flucht zu gesteigerter Form auf. Nach ihren Informationen über den Wohnort des Täters, die Hotchkiss auf Drängen der Mutter vorenthalten bleiben, macht sich die Familie mit Werkzeugkasten und häuslichem Folterequipment auf, dem Peiniger der Tochter einen Besuch abzustatten. Doch der rachsüchtige Clan erwischt nicht Otis, sondern dessen Bruder Elmo (Kevin Pollack, „Die üblichen Verdächtigen“). Was folgt ist ein Exempel der Grausamkeit, wenn auch an der falschen Person praktiziert.

Die makabre Zielgerade gefällt, auch Dank des sehenswerten Ensembles. Nur wiegt sie nicht das Versäumnis eines Vorlaufs auf, der sich nur bei der Darstellung der gequälten Familie eine moralische Grauzone erlauben kann. Fehl am Platze wirken die Versuche, Otis‘ Neigungen zu erklären. Das Stehen im Schatten des Bruders, Hänseleien in der Jugend. Mitleid erregt das keinen, auch nicht durch Pollacks Darbietung des unterdrückenden Beschützers. Die Formeln des Horrors wirken zu bekannt, die satirischen Spitzen bis zum gelungenen Finale zu kurz gestrickt. Als sarkastischer Genre-Kommentar funktioniert die erlesen besetzte Low Budget-Marterposse brauchbar. Gänzlich überzeugen hingegen kann sie nicht.

Wertung: (6 / 10)

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