Operation: Kingdom (USA/D 2007)

operation-kingdomPeter Berg („Welcome to the Jungle“) zeichnete sich in der Vergangenheit nicht gerade durch Filme mit gesteigertem Anspruch aus. Der von Michael Mann („Heat“) produzierte Post-9/11-Thriller „Operation: Kingdom“ bedeutet die Wende. Wenn auch nur im Ansatz. Mit den Klischees des abgeklärten, stets coolen Amerikaners wird (zumindest partiell) gebrochen, die Fronten am mutigen Schlusspunkt gar aufgehoben. Bis dahin erschüttert und unterhält Berg nach den Regeln Hollywoods. Neben starker Optik und Starbesetzung ist es allen voran das Interesse am kulturellen Unterschied, das den Reiz des politischen Action-Dramas ausmacht.

Der Vorspann rafft in unübersichtlicher Kürze das Verhältnis von Saudi-Arabien und den USA zusammen. Was folgt ist der verheerende Anschlag auf eine amerikanische Siedlung in Riad. Eine US-Intervention auf saudischem Boden aber würde den Terroristen zuspielen und der Souveränität der Herrscherhauses schaden. So braucht es diplomatisches Geschick, bis FBI-Spürhund Ronald Fleury (Jamie Foxx, „Ray“) und drei Kollegen als Berater in die Region entsandt und in die Obhut des Polizisten Al Ghazi (Ashraf Barhom, „Paradise Now“) übergeben werden. Der wurde als Kindermädchen abgestellt, um die ungebetenen Gäste von den Ermittlungen fernzuhalten.

Nach der Ankunft kommt der Kulturschock. Keiner der US-Legaten ist mit den religiösen und sozialen Gebräuchen vor Ort vertraut. Arroganz ersetzt Verständnis, wenn die Einbeziehung in sämtliche Schritte der Aufklärung vorrausgesetzt wird. Das Know-how jedoch gibt ihnen recht. Mit Hilfe der Amerikaner schreitet die Spurensuche rasch voran und weist bald in Richtung eines bekannten Islamisten. Daneben überwinden Al Ghazi und Fleury ihre Vorurteile und freunden sich an. Als man die Amerikaner zurückruft, werden sie auf dem Weg zum Flughafen attackiert, einer von ihnen entführt. Die Situation eskaliert, als sie während der Verfolgung der Täter in von Terroristen beherrschtes Stadtgebiet einfahren.

Der sorgfältig beobachtete Vorlauf trägt sichtbar die Handschrift Michael Manns. Sie zeichnet ein komplexes Bild der politischen Verhältnisse in Saudi-Arabien und den Beziehungen zum Verbündeten Amerika. Die trügerische Ruhe wird im Schlussdrittel abrupt durchbrochen, wenn Schauwerte im Stile von „Black Hawk Down“ die Eindringlichkeit überrennen. Dank Nebendarstellern wie Chris Cooper („American Beauty“) und Jennifer Garner („Juno“) funktioniert auch das, wenn der übereilte Finalakt auch das Gleichgewicht des ambitionierten Filmes stört. Heftiger als die eruptive Gewalt kommt die grimmige Pointe daher, die die moralische Überlegenheit des Westens einebnet. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Auf welcher Seite man steht, ist dabei völlig egal.

Wertung: (7 / 10)

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