Open Range – Weites Land (USA 2003)

open-range-weites-landDer ständig totgesagte Western erfreut sich zwar nicht bester Gesundheit, doch ließen in den letzten Jahren vereinzelte Beiträge (u.a. „Texas Rangers”) zumindest den schwachen Puls jenes Genres erahnen. Dass neben Ron Howard und Anthony Minghella ausgerechnet Flopgarant Kevin Costner die wüste Epoche des 19. Jahrhunderts auf großer Leinwand aufleben lässt, beschert dem Berufsstand der Cowboys die zwingend erforderliche Rückenstärkung. Nicht zuletzt, weil deren „The Missing” und „Cold Mountain” recht wenig mit dem klassischen uramerikanischen Filmsegment gemein haben. Zudem erweist sich der Oscar-prämierte Regisseur und Darsteller Costner als sattelfeste Institution im Geschäft der Viehtreiber, Revolverhelden und Indianerfreunde, sammelte er doch bereits in „Silverado”, „Der mit dem Wolf tanzt” und „Wyatt Earp” weitreichende Erfahrungen in den endloses Weiten der staubigen Prärie.

Selbige bilden denn auch den Ausgangspunkt der Geschichte von „Open Range”, von Costner nicht nur Produziert und Inszeniert, sondern auch in einer der tragenden Rollen verkörpert. In der ziehen sich die Viehtreiber um Boss Spearman (Robert Duvall, „Apocalypse Now”), Charley Waite (Costner) den Unmut des mächtigen Landeigners Baxter (Michael Gambon, „Sleepy Hollow”) durch das legale Treiben ihrer Herde durch offenes Weideland auf sich. Denn Baxter, der die angrenzende Kleinstadt Harmonville durch Gewalt und Einschüchterung in fester Umklammerung hält, beansprucht jenes Terrain für sein eigenes Vieh und schreckt auch vor der Anwendung von Gewalt nicht zurück. Als sein Exekutivorgan fungiert der korrupte Sheriff (James Russo, „Bad Girls”) von Harmonville. Also ist es an Spearman und Waite, dem tyrannischen Gebahren Baxters Einhalt zu gebieten. Dabei kommt Waite nicht nur Sue Barlowe (Annette Bening, „American Beauty”), der Schwester des örtlichen Arztes näher, sondern wird auch mit den inneren Dämonen einer blutrünstigen Vergangenheit konfrontiert.

Wie Balsam legt sich „Open Range” auf den kränklichen Leib des Westerns und formt einen lakonischen und beizeiten unnötig pathetischen Abgesang auf eingefahrene Mythen und Klischees. Zwar zwängt sich der wenig originelle Plot selbst in ein Korsett aus altbackenen Schemata, doch überwiegt dank eines elegischen Erzählrhytmus und konturenorientierter Charakterisierung der Hauptfiguren die glaubhafte Entfaltung der dialoglastigen Geschichte. Mit viel Gespür für authentische und detaillierte Ausstattung besticht der Film bereits auf formaler Ebene, ehe die Protagonisten das Zepter an sich reißen und der Erzählfluss stringent auf das vorhersehbare Finale zusteuert. Auf diesem Wege erzeugt Costner von Beginn an eine dichte und realitätsnahe Atmosphäre und offeriert neben Schwächen und Ängste seiner aufrechten Protagonisten auch bröckelnde Heldenfiguren mit tiefsitzenden Narben und wettergegerbten Antlitzen. Sie sind rastlose Nomaden, die sich als finale Konsequenz des fortschreitenden Alters nicht mehr verstecken wollen, sondern sich Baxter und seinen Männern als Inbegriff der eigenen Zerrissenheit stellen.

Costner selbst kommentierte seinen Film in weiser Voraussicht als altmodisch und im Angesicht von Effekte-Ooverkills wie „Matrix” wenig zeitgemäß. Durchaus begründete Zweifel, doch liegt „Open Range” zur eben richtigen Zeit am Scheideweg der einhelligen Forderungen nach klassischem Erzählkino und bildet trotz mancher Schwächen, gerade im Hinblick auf das dezent überzogene Finale, den besten Beitrag zur Genesung des Westerns seit Clint Eastwoods Meisterwerk „Erbarmungslos”. Darüber hinaus konnte sich auch Costner selbst über das ambitionierte Projekt rehabilitieren, spielte sein auf schlappen 26 Millionen Dollar begründeter Film doch allein im Herstellungsland Amerika mehr als das doppelte seiner Kosten wieder ein. So erbringt der ergrauende Veteran den unwiederlegbaren Beweis für die Lebendigkeit des Genres und präsentiert einen wohl inszenierten, gut bebilderten und ansehnlich gespielten Spät-Western voller Melancholie und Schwermut. Eine Renaissance dürfte sich damit kaum einläuten lassen. Aber dieser generationsübergreifende Herzsschlag sein sollte den Fortbestand der ältesten Wegesrichtung der bewegten Bilder vorerst sichern.

Wertung: (7 / 10)

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