Ohne Dollar keinen Sarg (I/E 1966)

ohnedollarkeinensargTomas Milian („Der Gehetzte der Sierra Madre“) ist eines der bekanntesten Gesichter des Italo-Westerns. Sein Genre-Debüt gab der gebürtige Kubaner im gediegenen Frühwerk „Ohne Dollar keinen Sarg“. Sehenswert ist Eugenio Martins („Requiem für Django“) reichlich unspektakuläres Standardwerk allein wegen seiner Darbietung. Er spielt den aufbrausenden Outlaw José Gómez, der, als er von Kumpanen und seiner Geliebten aus der Haftüberführung befreit wird, bei ihr Unterschlupf sucht. Sie wohnt in einem abgelegenen Wüstenkaff, mehr eine Ansammlung vereinsamter Gebäude, bewohnt von Menschen, die sich im Rückzug eine Existenz aufgebaut haben.

Kopfgeldjäger Luke Chilson (ausdruckslos: Richard Wyler, „Django – Unersättlich wie der Satan“) ahnt all das voraus, weshalb er sich zuvor bereits am Sammelpunkt einquartiert hat. Die Bewohner aber wollen von seinem Einsatz für Recht und Ordnung nichts wissen. Sie lassen ihn im Stich, als sich die Banditen in ihren Häusern breit machen. Chilson wird gepeinigt, die Ansiedlung zum Hort des Chaos. Denn die Banditen denken nicht daran, diese Oase der Ausschweifung so schnell zu verlassen. Erst als Gómez` Verhalten zunehmend unberechenbar wird, scheint das Zutun des gefangenen Revolvermannes die einzige Rettung.

In seiner Restriktion des Spielortes bleibt der Film nicht ohne Reiz, wenn sich der Handlungsaufbau auch zu behäbig vollzieht. Gleiches gilt für die Figurenkonstellation. Der Bandit und der Prämienjäger sind beide gesellschaftlich geächtete Außenseiter, die ihre Unbeliebtheit der jeweiligen Profession verdanken. Die Vorzeichen allerdings scheinen verkehrt. Chilson gilt als skrupelloser Menschenjäger, der charismatische Gesetzlose als Opfer seiner sozialen Herkunft. Der Unmensch bricht erst aus ihm heraus, als er seine Getreuen mehr und mehr anstachelt, die Bewohner zu unterdrücken.

Aus der mangelnden Bewegung der Geschichte gewinnt Regisseur Martin keine bleibende Atmosphäre. Natürlich spitzt sich der biedere Plot in Richtung eines finalen Duells zu, das Potenzial des psychologischen Kammerspiels aber wird zu sehr in sich wiederholenden Mustern zerredet. Dazu kommen die kaum ausgearbeiteten Nebenfiguren, die nur blasses Beiwerk einer insgesamt zu durchschnittlichen Inszenierung bleiben. An der Kamera betätigte sich Enzo Barboni, der im gleichen Jahr auch den Klassiker „Django“ fotografieren sollte. An solchen Maßstäben kann „Ohne Dollar keinen Sarg“ nicht gemessen werden. Er bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Den rasanten aufstieg des Tomas Milian konnte er – und das ist das einzig wirklich positive – dennoch nicht verhindern.

Wertung: (5 / 10)

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