Notorious B.I.G. (USA 2009)

notorious-b.i.g.„What grown up man calls himself ´Puffy´?“ – Voletta Wallace

Wenn Rapper sterben, dann durch Kugeln. Die Texte sagen es, die Attitüde fordert es. Der HipHop kam von der Straße und wurde, als er von selbiger abkam und ihre Lehren in den Mainstream trug, zum Reflektor blasierter Gangsterklischees. Prominente Opfer am kommerziellen Scheideweg des Genres sind Tupac Shakur und The Notorious B.I.G., die im September 1996, bzw. März 1997 erschossen wurden. Beide Bluttaten gingen als trauriger Höhepunkt eines über Jahre schwelenden stilistischen Grabenkampfes zwischen Ost- und Westküsten-Rappern in die Geschichte ein.

Über dessen Ursachen erfährt man in „Notorious“ wenig. Einer der Verantwortlichen war schließlich unmittelbar beteiligt: Sean Combs, wahl- und zeitweise auch Puff Daddy, Puffy oder P. Diddy genannt, entdeckte und förderte B.I.G., der unter dem Namen Christopher George Latore Wallace in New York City geboren wurde. Nach dem Tod des Freundes scheffelte Combs Millionen – und fungiert, neben Wallaces Mutter Voletta, als Produzent des Films. Der, inszeniert von George Tillman Jr. („Men of Honor“), setzt dem mit 24 Jahren ermordeten Rapper ein Denkmal, ohne über die Konventionen des Biopic hinaus zu ragen.

„What don´t break a nigga make a nigga.“ – Puff Daddy

In den frühen Achtzigern ist Chris (hier gespielt vom eigenen Sohn) ein übergewichtiger Außenseiter, der im verrufenen Stadtteil Brooklyn aufwächst. Die bigotte Mutter (Angela Bassett, „Strange Days“) versucht ihn vor schädlichen Einflüssen zu behüten, kann den Reiz der Straßengangs aber nicht von ihm fernhalten. So beginnt eine (eher beiläufig abgehandelte) Laufbahn als Dealer, die ihm (nun überzeugend verkörpert von Underground-Rapper Jamal Woolard) einen Knastaufenthalt beschert. Während dem schärft er seine Fähigkeiten als reimender Texter. Wieder auf freiem Fuß, spielt ihn der Zufall dem aufstrebenden Produzenten Puff Daddy (Derek Luke, „Von Löwen und Lämmern“) zu.

Von Universitätsmensas führt der kometenhafte Aufstieg in die großen Hallen. Dazwischen stehen die Frauen, Lil Kim (Naturi Naughton, „Fame“) und Gattin Faith Evans (Antonique Smith, „Across the Universe“), mit denen er sich zankt oder in den Federn turnt. Mit Tupac (Anthony Mackie, „Eagle Eye“) verbindet ihn eine Freundschaft, bis ihn der Weggefährte von der Westküste beschuldigt, Drahtzieher eines Mordanschlags auf ihn zu sein. Das sich abzeichnende Drama taucht Tillmann Jr. in Bilder, die sich nicht nur bei den Musikszenen der Ästhetik zeitgenössischer Videoclips bedienen. In Optik und Schauspiel bleibt ein sehenswerter Film, der sich Mensch und Kontext jedoch nur oberflächlich nähert.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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