NOFX – My Orphan Year (2009, Fat Wreck)

Am besten sind NOFX immer dann, wenn es emotional wird. Nicht parodistisch, nicht politisch, sondern persönlich. Das selbstreflexive Moment ist eine Ausprägung des Spätwerks des Punk-Klassikers. Naturgemäß treiben uns die schweren Themen erst um, wenn ein gewisser Alterszenit überschritten ist und der Blick auf verschiedene Stationen des eigenen Seins Anlass zur Selbstkritik gibt. Eines der ersten Stücke, an denen sich diese Entwicklung bei Sänger, Songschreiber und Bassist Fat Mike festhalten lässt, ist „My Orphan Year“.

Die Full-Band-Version der Verlustaufarbeitung beider Elternteile (zu den Hintergründen sei die Band-Biografie „The Hepatitis Bathtub“ empfohlen) findet sich auf dem elften Langspieler „Coaster“ (2009). Doch es gibt auch eine akustische Auflage, die auf der gleichnamigen 7“ – sowie der „Cookie the Clown“-EP – verewigt wurde. Im Gegensatz zu „13 Stitches“, dem 2003 eine vergleichbare nachträgliche Entschleunigung zuteilwurde, wirkt die alternative Variante von „My Orphan Year“ jedoch reduzierter und improvisierter. Der Sound erscheint, als wäre die Aufnahme spontan entstanden. Doch ist es gerade dies schlichte, dies raue Moment, das die Traurigkeit des Textes so klar hervorhebt.

Nicht minder hochklassig: die B-Seite, „Fermented and Flailing“. Der temporeiche Abgesang auf die USA darf, nein muss zu den besten Songs der „Coaster“-Sessions gezählt werden. Umso verblüffender mutet an, dass er es nicht aufs fertige Album schaffte. Beide Tracks wurden, wie auch die verbleibenden drei Beiträge von „Cookie the Clown“, ein Jahr später Teil der „The Longest EP“-Kompilation. Die Vinyl-Variante lohnt aber bereits ob des Cover-Motivs, das den jungen Fat Mike mit seinem Vater zeigt. Wenn schon emotionale Schmerzbewältigung, dann bitte auf diese Weise.

Wertung: (7,5 / 10)

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