NOFX – First Ditch Effort (2016, Fat Wreck)

nofx-first-ditch-effortMike Burkett zieht blank. Nach unzähligen Drogen- und Alkoholexzessen begab sich der NOFX-Frontmann jüngst in Behandlung. Seine Anhänger versorgte er täglich über die sozialen Medien mit Updates zu seinem Gemütszustand. Die fast zeitgleich erschienene Bandbiografie „The Hepatitis Bathtub and Other Stories“ geizt ebenso wenig mit persönlichen Einblicken in die Vergangenheit aller Bandmitglieder. Schwer verwunderlich ist es demnach kaum, dass auch ihr 13. Album „First Ditch Effort“ alles andere als oberflächlicher Durchschnitts-Punk ist. Der fulminante wie unverblümte Opener „Six Years On Dope“ belegt das bereits nach wenigen Sekunden.

Das gesangliche Wechselspiel zwischen Fat Mike und Melvin, hohes Tempo und ein mitreißender Refrain fahren den Puls gleich mal hoch. An harten und ehrlichen Worten mangelt es dem Song nicht. Wie auch an anderen Stellen agieren NOFX sehr persönlich und selbstreflektiert. Ein gutes Beispiel dafür ist „I Don’t Like Me Anymore“ („There’s an old punk rocker acting like a jerk, and that jerk looks a lot like me”). Mit der Pharmaindustrie – für die Fat Mike selbst ein gern gesehener Abnehmer war – geht man hart ins Gericht („Oxy Moronic“), während der Sänger in „Happy Father’s Day“ das Verhältnis zu seinem Vater erneut thematisiert und hier einen anderen Blick auf sein Inneres preisgibt, als noch vor einigen Jahren.

Auch der plötzliche Tod von Tony Sly ist nach mehr als vier Jahren immer noch präsent, was das emotionale „I’m So Sorry Tony“ belegt. Beim abschließenden, düsteren „Generation Z”, welches ein bisschen an den kleinen Bruder ihres 16-Minuten-Meisterwerks „The Decline” erinnert, sind zudem Slys Tochter Fiona sowie Fat Mikes Tochter Darla zu hören. Dies gibt dem Song über das Ende der Welt noch einmal eine ganz andere Bedeutung.

Auf der einen Seite bietet „First Ditch Effort“ wilde Punkrock-Eskapaden mit augenzwinkerndem Humor, auf der anderen Seite aber vor allem ernste, bitterböse Ausflüge. NOFX gehen mit und auf diesem Album immer wieder andere Wege. Die Experimentierfreudigkeit überrascht, gerade weil man dies nach den zuletzt eher straighten Punkrock-Alben nicht wirklich erwarten konnte. Ein bisschen Zeit braucht die Platte dadurch vielleicht. Doch dann entfacht sie eine fast magische Wirkung. Definitiv eines ihrer besten Alben.

Wertung: (8,5 / 10)

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