Night Train Murders – Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien (I 1975)

nighttrainmurders„New House on the Left“ und „Second House on the Left“ sind nur zwei der vielen Alternativtitel von Aldo Lados im Jahre 1975 realisiertem „Torture & Revenge“-Thriller „Night Train Murders“. Welches Werk als Vorbild gedient hat, dürfte wohl auf der Hand liegen: Wes Cravens drei Jahre zuvor entstandener Genre-Klassiker „The Last House on the Left“. Schon ein Blick auf die Story von „Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien“, so der für die Zeit typische reißerische deutsche Titel des italienischen Rip-Offs, genügt:

In der Weihnachtszeit reisen die beiden verwandten Studentinnen Margaret (Irene Miracle, „Inferno“) und Lisa (Laura D’Angelo) mit dem Zug von München zu Lisas Eltern ins italienische Verona. Während der langen Fahrt machen sie die Bekanntschaft des Kleinkriminellen Blackie (Flavio Bucci) und seines Mundharmonika trällernden Kumpans Curly (Gianfranco De Grassi). Doch der als harmlos begonnene kleine Flirt schlägt schnell in Abscheu gegenüber den beiden jungen Männern um, die gemeinsam mit einer nie beim Namen genannten Nymphomanin (Macha Méril), die Blackie zuvor auf der Zugtoilette zu befriedigen wusste, ihr wahres Gesicht offenbaren. Das Trio Infernal beginnt die sexuell unerfahrenen Mädchen zu erniedrigen und letztlich gar zu vergewaltigen.

Das makabre Spiel findet seinen unwürdigen Abschluss im Tod der zwei Adoleszentinnen. In Verona warten derweil Lisas Eltern Doktor Giulio Stradi (Enrico Maria Salerno) und Laura (Marina Berti) auf die Ankunft der Mädchen. Als diese nicht auftauchen, nimmt das Ehepaar die drei Mörder und Peiniger ihrer Tochter und ihrer Nichte mit nach Hause, da die sadistische Nymphomanin sich am Bein verletzte. Es dauert nicht lange, bis die wohlhabenden Stradis erfahren, dass die beiden Mädchen ermordet wurden. Als es für Giulio keine Zweifel mehr gibt, dass die Leute, die es sich grade in seinem Haus bequem machen, hinter der unglaublichen Tat stecken, kann die Geschichte nur in bester „Auge um Auge, Zahn um Zahn“-Tradition zu Ende geführt werden.

„The Last House on the Left“ auf Schienen – das dürfte die wohl beste Zusammenfassung von Lados Beitrag zum in den 70ern beliebtem „Rape & Revenge“-Genre sein. Eins zu eins wird die bekannt sleazige Geschichte hier noch einmal aufgerollt: Zwei unschuldige Mädchen begeben sich auf eine Reise; eine gewissenlose und brutale Bande kreuzt ihren Weg; das Treffen endet für die Mädchen tödlich; die Bösen landen im Haus der Familie eines der getöteten Mädchen (bei Craven schon ziemlich absurd); die geschundene Familie rächt sich nicht minder brutal an den Mördern. Schon Cravens Original ist bis heute umstritten, Lados Epigone kann es dahingehend – ungeachtet minimaler Unterschiede – also kaum anders ergehen.

Cravens Beitrag hat neben den für die kunterbunten 70er Jahre fragwürdigen Gewalteskalationen und einem grandiosen David Hess als „Leading Badass“ nicht unbedingt viel zu bieten (Flavio Buccis Blackie erinnert nicht zufällig auch von Typ und Styling her an den unvergesslichen Krug Stillo, ohne aber annähernd dessen Präsenz zu erreichen). Sein italienischer Kollege kann hingegen mit der erdrückenden Optik seines Werks punkten, die durch Kameramann Gábor Pogány einen dunklen Grundton erhält. Auch gibt es in Lados Plagiat eine sicherlich nicht uninteressante Szene, in der die Macha Méril merkwürdiger Charakter und einige andere Zugpassagiere sich über Gewalt unterhalten, und wie sie (heutzutage) besonders durch die Medien forciert wird, um einige Sequenzen später genau diese Gewalttätigkeit in ihrer rohsten Art selbst zu zeigen.

Welche Wirkung sie auf die Filmschauenden entfaltet, hängt letztlich vom Gemüt des Einzelnen ab. Da aber das Publikum solcher Filme doch meistens aus Befürwortern des Genres besteht, löst die Wirkung gewiss nicht dieselben Emotionen aus, wie sie es bei Kritikern täte. Wie auch immer es sei, zurück bleibt ein dreckiger und nihilistischer Thriller, der seine Herkunft keine Sekunde lang verstecken kann – und der es in den 80ern auf die allseits bekannte Liste der britischen „Video Nasties“ schaffte. Das harsche italienische Gewand der bekannten Story macht den Streifen jedenfalls auch für Freunde des etwas anderen Films nur bedingt sehenswert, da er zum größten Teil nur das Muster von Cravens Vorlage herunterkurbelt. Da kann auch die Tatsache, dass Curly Charles Bronson-like die Mundharmonika zum Jaulen bringt, weil Ennio Morricone (ja, der von „Spiel mir das Lied vom Tod) die Musik geschrieben hat, nicht viel daran ändern.

Wertung: (3 / 10)

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