Nicotina (MEX/ARG/E 2003)

nicotinaDer Film heißt „Nicotina“, sein Titel ist Programm. Denn blauer Dunst ist allgegenwärtig in Hugo Rodríguez’ („In the Middle of Nowhere“) schwarzhumoriger Gangsterfarce. Die kammerspielartige Inszenierung kreist um ein Ensemble großartiger Darsteller – darunter Diego Luna („Frida“), Jesús Ochoa („Mann unter Feuer“) und Rosa María Bianchi („Amores Perros“) – deren Schicksale sich binnen einer Nacht unvorhergesehen verknüpfen. Daten Schweizer Bankkonten im Tausch gegen ein Säckchen Diamanten. Egoismus und Gier schaukeln sich bis zum wiederholten Eklat in luftige Höhen. Die Abhängigkeit des Lebens von Übereinstimmung und Zufälligkeit ist ein entscheidendes Element – und lässt die Beteiligten in kuriosen Episoden in ihr Verderben stürzen.

Eine neue Geschichte erzählt Regisseur Rodríguez dabei nicht. Den Reiz von „Nicotina“ macht weniger der Inhalt, sondern mehr die Art der Narration aus. Mit spielerischer Leichtigkeit werden die agitativen Kreise der Figuren enger gezogen, die Handlungsorte nur sporadisch variiert. Die zeitlichen Ebenen überlappen nicht, sondern stehen im Einklang mit der Simplizität des gesamten Konzeptes. Entsprechend größeres Augenmerk legt der Film auf den grotesken Anstrich und strafft sich im weiteren Verlauf zum makabren Comicstrip. An diesem Experiment reiben sich zwar Splitscreens und Überblenden allmählich auf, den enormen Unterhaltungswert des vergnüglichen Kleinods mindern marginale Makel jedoch nicht. Dass Rauchen der Gesundheit schadet, ist bekannt. Mit dem gesunden Lachen über „Nicotina“ sollte sich der Tabakgenuss aber zumindest zeitweilig ausgleichen lassen.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

scroll to top